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Review zu Arroganz - Morsus - 1289 Hits
disc Band: Arroganz
Album: Morsus
Genre: Death/Black
Rls. Datum: 02.10.2020
Label: Supreme Chaos Records
Laufzeit: 46:11
Wertung: 10.0 / 10.0
 
Hellcome, die Scheibe, die Anlass dieses Reviews ist, wurde schon vor längerer Zeit, nämlich im letzten Oktober, veröffentlicht. Da aber Arroganz, wenn alles klappt, im September und Oktober Konzerte spielen, ist es doch ein guter Grund, euch diese geniale Scheibe nochmal in Erinnerung zu rufen :). Aufmerksamkeit hat dieser schwefelige Auswurf der Hölle allemal verdient, denn "Morsus", der Abschluss ihrer Trilogie, ist ein infernalischer Hassbrocken erster Güte geworden. Seit "Tod & Teufel" bei F.D.A. Records unter Vertrag, machten sich die drei Beschwörer der Finsternis mit ihrer aktuellen Scheibe zu neuen Ufern auf und landeten an den unheiligen Küsten von Supreme Chaos Records. Was für ein passender Labelname für ihre muSICK :). Jetzt aber mal schnell zur Scheibe an sich, denn der Gehörnte hat schon viel, viel zu lange auf meine Lobpreisung seiner höllischen Gefolgschaft gewartet!

Der Terminus "Morsus" bedeutet übriges u.a. Biss, sich festbeißen, Schmerz, Bitterkeit oder Kränkung und wurde vom Trio sicherlich mit Bedacht gewählt, denn diese Scheibe will nicht gefallen. Sie will sich mit geborstenen und verdreckten Fingernägeln, die rostige, grobe Gegenständen halten, langsam und genüsslich durch euer Fleisch reißen, um sich an eurem Leid zu erfreuen und zu hoffen, dass eitrige Wunden und hässliche Narben zurückbleiben, während sich euer Geist langsam aber sicher verabschiedet! Anders lässt sich die Stimmung von "Morsus" meiner Meinung nicht beschreiben. Das Album ist wirklich arg böse, düster und erschlagend. Eigentlich müssten wir die Flucht vor diesem verstörenden, pechschwarzen und alles verschlingenden Seelenabgrund ergreifen, aber Arroganz verführen und umgarnen uns mit ihrem bisher besten Material zu sehr, als dass wir diesen Ort der Tortur verlassen möchten. Vielmehr lockt uns diese intensive, umwerfende und geniale muSICkalische Selbstzerfleischung wie die Motten zum Licht! Die Band präsentiert uns auf "Morsus" aber auch nur KiIlermaterial, bei dem selbst ein verwöhnter Premiumgourmet wie der Deibel derbe anfängt zu sabbern :). Ihr bisheriger Höllensud, der kompositorische Einflüsse aus den Old School-Katakomben des Death/Black/Doom in sich vereint, wurde auf diesem Album nochmals stark verbessert und erweitert. Und das soll bei den bisherigen Releases schon was heißen. Celtic Frost und Triptykon erwähnte ich als Einflüsse ja schon im vorherigen Review, aber gefühlt hat sich das noch verstärkt. Vor allem von "Monotheist" dürften Arroganz sehr angetan sein, und Songs wie "A Dying God Coming Into Human Flesh" oder "Totengott" werden ihnen sicherlich einige wolllüstige Nächte beschert haben. Zu Recht :). Aber z.B. auch early Samael und ganz alte Asphyx, Necros Christos oder die Sickos von Lemming Project möchte ich noch erwähnen. Arroganz kopieren hier aber zu keinem Moment deren Einflüsse, sondern brauen sich daraus ihren eigenen Giftcocktail, um uns ihre innere Unterwelt musikalisch präsentieren zu können, und pfeifen dabei auf Standardrezepte. Es interessiert sie halt auch einfach nicht. Es stellt sich die Frage, ob hier überhaupt von Death, Doom u./o. Black Metal gesprochen werden kann. Wenn, sind diese Stile nur Ausgangsbasis für das Trio, um eigene schwarze und verwunschene Wege zu gehen, denen wir liebend gerne folgen werden. In Kombination mit ihrer präsentierten Attitüde fiel mir als Beschreibung der Musik noch "Morbid Fuck You! Metal" ein. Finde ich ja ganz passend. Aber egal, wie dieses Gott verspottende Wechselbalg benannt wird, das Ergebnis bleibt das gleiche, nämlich absolut betörender, packender, mitreißender, ergreifender, brutaler, düsterer, intensiver und abwechslungsreicher Metal, mit dem -k- (Gesang/Bass/Gitarre), -t- (Drums) und -p- (Gitarre) eure Hirne und eure Herzen in glühende Vororte der Hölle verwandeln werden!

Aus diesem pyroklastischen Inferno heraus donnert uns -k- mit seiner gewaltigen Stimme seine finsteren Texte voller Wut, Hass, Agonie, Tristesse, Blasphemie und Selbstzerstörung entgegen und unterstützt diesen Horror mit seinem energischen Organ, auf dass in unseren geschundenen Seelen nun auch das letzte Fünkchen Hoffnung wie eine Flamme ohne Sauerstoff erlischt. Seine dazu auserwählten Waffen sind tiefes, richtig derbes, heftiges und brutales Gegrunze, fiese und teils gequält wirkende Schreie am Rande des Wahnsinns, angepisstes Gekeife und Sprechgesang, der teilweise anklagend und nachdenklich in sich gekehrt wirkt. All das setzt er gekonnt und immer zum richtigen Zeitpunk voller Inbrunst ein und erzeugt dadurch eine sehr intensive, erdrückende und bedrohliche Stimmung, die es echt in sich hat. Seine Worte preschen wahrlich wie ein schwarzer und unheilvoller Nebel aus seinem Leib heraus, der sich als ein undurchdringlicher Wirbel um euch herum verdichtet, um sich anschließend in eure Ohren, die Nasenlöchern und den Mund zu pressen und die Kontrolle über euren Verstand zu erlangen! Es gibt kein Entkommen! Die Songs und sein Gesang in Kombnation feuern sich gegenseitig zu einem herrlichen und herrlich intensiven Rausch an. Grandios!

Wer bei dieser Scheibe nach meiner bisherigen Beschreibung nun einen sumpfigen und schroffen Kellersound erwartet, wird beim Hören von "Morsus" eines Besseren belehrt. Aufgenommen im Berliner Brickwork Music and Pirate Studios Berlin, gemixt durch Timo Rotten und gemastert durch Lasse Lammert in den Lübecker LSD Studios presst sich aus den Boxen ein finsterer, garstiger, hasserfüllter, beklemmender, sehr gut produzierter, wuchtiger und sehr differenzierter Sound in eure fauligen Ohren :)! Total klasse! Die Produktion schafft eine Atmosphäre, die einfach nur gespenstisch ist und wirkt wie ein bedrohlicher Ghoul, der es auf euer Seelenheil abgesehen hat, und hat somit die muSICK perfekt eingefangen und umgesetzt. Auch hier packt mich wieder das Gefühl, als würde sich ein großes Unheil um mich herum manifestieren und versuchen mich in den Wahn zu treiben. Herrlich. Die feurige Intensität des Klangs ist wahrlich ein Genuss und knallt mir schön heavy gegen meinen Brustkorb. Ich finde es auch sehr geil, dass alle drei Instrumente, vor allem der Bass, so schön herauszuhören sind, ähnlich wie Samael auf der "Blood Ritual" und der "Ceremony Of Opposites". Dazu dann der Gesang, der in allen seinen Facetten, nicht zwischen den Instrumenten untergeht. Arroganz brauchen halt keinen ultratruen und absichtlich schlechten Sound, um abartig böse und garstig zu wirken, denn das schaffen sie auch so!

Als Krönung des Ganzen wird uns "Morsus" dann noch mit einer entsprechenden und der Scheibe absolut gerecht werdenden Optik präsentiert! In Zusammenarbeit mit Alexander Lorenz entstand ein Artwork und ein Design basierend auf der Kunst des einfach nur umwerfenden Hieronymus Bosch, die einfach nicht besser sein kann :). Ich liebe Boschs Kunst und hier wurde auf Basis von Fragmenten seiner Bilder wirklich Beeindruckendes erschaffen :).Also ganz genauso wie die muSICK an sich :). Boschs bildhaft gewordene Höllenqualen wurden in allen genutzten Abbildungen jeweils mittig gespiegelt, so dass sie noch verstörender wirken :). Genial! Das Artwok an sich kommt ohne Bandlogo aus, dafür zeigt sich der Albumtitel in entsprechender Schriftform. Auf der Digipackrückseite ist neben den Songtiteln das doppelt in sich verbundene "R" des Logos zu sehen, das durch die von ihm ausgehenden Strahlen einem Kerzenlicht ähnelt und eine sakrale Stimmung verbreitet, während am unteren Ende ein abweisender Stacheldraht erscheint. Cool. Dieses Symbol taucht nicht nur regelmäßig als Detail in den Bildern, sondern auch großflächig, wenn ihr das Digipack öffnet und sich Bosch schablonenhaft durch das Symbol präsentiert, während der Rest schemenhaft in einer roten Schattierung verschwindet. Gleiches gilt für die CD an sich. Wer genau hinguckt, wird diesen roten Farbton immer wieder als Umrandung der Bilder erkennen. Besitzer*innen der ersten beiden Trilogie-Teile werden diesen Rotton sicherlich sofort erkannt haben. So schließt sich also im abschließenden Teil dieser Reihe wieder der Kreis. Tolle Idee. Das saugeile, 24-seitige Booklet zeigt nicht nur den modifizierten Horror des niederländischen Ausnahmekünstlers, sondern auch im spartanischen Kontrast dazu die Texte auf einem schwarzen Untergrund, der lediglich leicht rot durchzogen ist. Es ist wirklich beeindruckend, wie gut die Optik zum akustischen Seelenterror von Arroganz passt, und es ist wirklich ein Genuss, mir das alles anzuschauen, während ich die Songs auf mich einwirken lasse. Das Label ließ sich natürlich auch beim Vinyl nicht lumpen und veröffentlichte "Morsus" als fette Gatefold-LP inklusive Lyricsheet. Was ich so dazu sehen konnte, war schon sehr amtlich :). Da ich ja sehr spät dran bin, kriegt ihr höchstwahrscheinlich nur noch die Platte in Schwarz (200 Stück). Die anderen limitierten Versionen in Rot und rot-schwarzem Splatter sind meiner Kenntnis nach schon ausverkauft. Aber vielleicht habt ihr ja noch irgendwo Glück. Gleiches gilt für das coole limitierte Tape. So oder so, welches Medium ihr ergattern könnt, es erwartet euch eine wirklich hingabevolle Präsentation dieser umwerfenden Scheibe.

Mit "Morsus", einer wahren Tonwerdung unserer inneren Hölle, schließen Arroganz ihre Trilogie mit einem gnadenlosen und kompromisslosen Machwerk ab, nach dessen Genuss sich gläubige Menschen mit Weihwasser den in ihren Ohren nachhallenden Tritonus verzweifelt auszuwaschen versuchen werden :)! Dem Rest von euch kann ich diesen Opus voll pechschwarzem Unheil, Verzweiflung, Hass, Horror und Pein wärmstens empfehlen, falls ihr ihn noch nicht besitzen solltet. Eure rottigen Herzen werden sich ehrfürchtig bedanken.


10 Punkte!


Songs:

1. Anodynon 01:19
2. Morsus 05:26
3. Pain & Light 02:29
4. Sleepless Forever 04:11
5. Dead Man Galaxy 04:31
6. In$ide Suicide 03:16
7. Aurora Arroganz 03:54
8. Guillotinen 01:53
9. Sickpeopledie. 01:51
10. Next Level Satan 02:38
11. 553 03:20
12. Praise Death = Feast Life 05:42
13. I Dealt With The Devil 05:41

Spielzeit: 46:11

// Rudi

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