: Community

: Verein

: Action

: Schlachtbank

: Bandsuche

: Sonstiges

Review zu Glacier - The Passing Of Time - 364 Hits
disc Band: Glacier
Album: The Passing Of Time
Genre: Heavy Metal
Rls. Datum: 30.10.2020
Label: No Remorse Records
Laufzeit: 40
Wertung: 10.0 / 10.0
 
Ohhhhhhhhhoooohoooo... And once again into the storm...
Es gibt so Momente, die sind einfach magisch. So auch der Abend des 04. Juli 2020, nicht etwa wegen des amerikanischen Unabhängigkeitstages, nein, sondern wegen der Glacier (Lyric-) Videopremiere, welche sich an diesem Abend exklusiv im Livestream der 4. Ausgabe des Keep It True Festival TV Specials auf Youtube ereignete. Die Band war mir bisher völlig unbekannt, allzu viel Material hat sie, trotz Bestehens seit 1979, auch bisher nicht veröffentlicht. Lediglich ein paar Demos sowie eine selbstbetitelte EP Mitte der 80er. Wie viele andere Metalbands war sie zudem seit Anfang der 90er Jahre lange aufgelöst. Für einen Auftritt beim Keep It True 2017 formierte sich zunächst eine Tribute Band unter dem Namen „Devil In Disguise“ um Originalsänger Michael Podrybau. Diese wird allerdings seit 2018 unter dem offiziellen Glacier Banner weitergeführt, mit dem Segen der damaligen Mitglieder. Nun soll also nach all den Jahren ein vollwertiges Album erscheinen, technisch gesehen ja sogar das Debüt. Nichtsahnend schaute ich mit einigen Bieren bewaffnet das Special ohne große Erwartungen, abseits der bei mir allgemein vorherrschenden Neugier für neue Musik. Und ja, was soll ich sagen? Nach gerade mal einer Minute von „Eldest And Truest“ war ich schon hin und weg von den grandiosen Melodien, die sich absolut in meinen Gehörgängen festbissen. Spätestens zu den dieses Review eröffnenden Ohrwurm-Gesangslinien des Refrains war es dann vollends um mich geschehen. Und damit nicht genug: Ebenfalls das im Lyricvideo omnipräsente Coverartwork und auch das Bandlogo gefielen mir richtig, richtig gut. Es passte einfach alles perfekt zusammen, absolut stimmig. Mir war sofort klar: Das ist der Song des Jahres. Da KANN einfach nichts mehr kommen, was den (für mich) toppt. Ich wollte sofort mehr, Release der Scheibe aber erst im Oktober… wie soll ich das nur aushalten bis dahin? Nach dem Ende des TV Specials habe ich die halbe Nacht damit verbracht, in dem Video immer wieder zum Beginn der Premiere zurückzuspulen und den Song wieder und wieder zu hören. Auch die kommenden Tage lief das dann endlich auch von No Remorse Records einzeln veröffentlichte Lyric Video bei mir pausenlos rauf und runter. Und nun, gute 3 Monate später, ist es endlich soweit, der vollständige Longplayer ist bereits 1,5 Wochen vor offiziellem Release online verfügbar. Die Euphorie ist wieder da, auch nach all der Zeit und etlichen Dauerschleifen des Openers bin ich dessen immer noch nicht müde. Das folgende „Live For The Whip“ führt dies gekonnt fort, mit ein bisschen mehr Härte beigemischt. Auch hier sticht der Chorus heraus, die Melodien und Leadgitarren sind erstklassig. „Ride Out“ ist das dritte Highlight in Folge, es reißt nicht ab. Hier sticht vor allem der Gesang hervor, Michael Podrybaus Mix aus warmer, melodiöser Stimme und immer wieder ein paar rauen Nuancen ist einfach perfekt. Vor allem im Zusammenspiel mit den exzellenten Gitarrenlinien. Das zunächst balladesk anmutende „Sands Of Time“ ist vermutlich der schwächste Track auf „The Passing Of Time“, der Beginn plätschert zunächst etwas vor sich hin und wirkt ein wenig generisch auf mich. Später, in den härteren Passagen, legt der Song aber ordentlich zu. Und generell ist dies auch ein Meckern auf hohem Niveau, in Relation zu dem bisher nahe an der absoluten Perfektion kratzendem Material der vorigen Songs. Stampfend und etwas langsamer startet „Valor“, dicht gefolgt von dem großartigem „Into The Night“, zwei der härteren Nummern der Scheibe. Gerade Letzteres bietet mit den sägenden, sich im Ohr verbeißenden Riffs einen weiteren Höhepunkt. Und was ein Solo! Für Gitarrenfreaks ein wahres Feuerwerk. „Infidel“ mutet fröhlich, eingängig an, für mich wieder ein etwas schwächerer Track, aber mal ehrlich, es gibt eigentlich kein einziges Album, bei dem wirklich alle Songs durch die Bank weg auf allerhöchstem Niveau rangieren. Definitiv eine gute Nummer, jedoch im Vergleich hier eher auf einer Ebene mit „Sands Of Time“. Mit einem Paukenschlag geht es dann in den letzten Song über, welcher mit guten sechseinhalb Minuten die längste und insgesamt auch epischste Nummer von „The Passing Of Time“ darstellt. Hier zeigt sich die Band noch einmal von einer leicht anderen Facette, und sowohl vom Gesang als auch vom Songwriting wird nochmal eindeutig klargestellt, dass Glacier ganz oben im traditionellen Heavy Metal mitmischen, in dem es gerade aber auch nicht eben wenig Highlights im Underground zu verzeichnen gibt. Einziger Wermutstropfen hier ist, dass der Fadeout am Ende des Songs mir persönlich ein wenig zu abrupt endet. Und auch wenn 40 Minuten Spielzeit definitiv nicht wenig sind, nistet sich ein wehmütiges „Oh nein, schon vorbei?“ in meinen Hirnwindungen ein. Und ähnlich wie damals im Juli bei „Eldest And Truest“ komme ich nicht drumherum, sofort einen weiteren Durchlauf zu starten. Auch wenn die exzessive, euphorische Reaktion auf einen einzelnen Song diesmal in der Form nicht mehr stattfinden mag, wird dieses Album allein wegen dieser Erfahrung immer einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen. Zumal mir dies in einer für mich persönlich sehr schwierigen, schmerzlichen Zeit viel Halt, Unterstützung und ein gutes Stück Lebensfreude gegeben hat. Metal ist Medizin. Und zum Glück haben sich meine Ängste, dass der Rest der Scheibe da nicht im Ansatz mithalten kann, als vollkommen unbegründet erwiesen. „The Passing Of Time“ ist ein Meisterwerk. Und mit sehr, sehr großer Wahrscheinlichkeit mein Jahreshighlight.

Wertung: 10/10

Release: 30.10.2020 bei No Remorse Records

Anspieltipps: Eldest And Truest, Ride Out, Into The Night, The Temple And The Tomb

Anhören: https://glaciermetal.bandcamp.com/album/the-passing-of-time-3

Tracklist:
1. Eldest And Truest 05:07
2. Live For The Whip 04:03
3. Ride Out 04:59
4. Sands Of Time 05:53
5. Valor 05:14
6. Into The Night 04:33
7. Infidel 04:16
8. The Temple And The Tomb 06:35

// Grietsch

 ec

: Rezeption Collapse

© hotel666 2006-2020 - All rights reserved
designed by EyeSeeRed.com
top