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Review zu Toadeater - Bit To Ewigen Daogen - 400 Hits
disc Band: Toadeater
Album: Bit To Ewigen Daogen
Genre: Black Metal
Rls. Datum: 02.10.2020
Label: Kellerassel Records
Laufzeit: 36:40
Wertung: 9.5 / 10.0
 
Nachdem ich neulich schon das Vergnügen hatte, euch Toadeater mit ihrer sehr gelungenen EP "Hestia" vorstellen zu dürfen, habe ich dank des famosen Tapelabels Kellerassel Records nun die Ehre, den zweiten Longplayer der Band namens "Bit To Ewigen Daogen" zu reviewen :). Ich glaube, das ist auch das erste Mal, dass ich ein PromoTAPE bekommen habe :). "Hestia" hat mich ja wirklich begeistert, weshalb ich äußerst gespannt war, was mich nun beim zweiten Longplayer, der Anfang Oktober erscheint, so Herrliches erwarten würde :). Ich kann euch jetzt schon sagen, dass ich absolut nicht enttäuscht wurde :). Im Gegensatz zur EP wird es "Bit To Ewigen Daogen" dieses Mal nicht nur digital (Bandcamp) und auf Magnetband geben, sondern wie das Debüt "Codex" auch als LP über Maniyax Records und Revolvermann Records. Letztere bringen aber zusätzlich zur Band selber eine CD-Version heraus.

Bevor ich zur Musik komme, möchte ich noch auf das Textkonzept von "Bit To Ewigen Daogen" eingehen, da mir dieses sehr gut gefällt. Ausgangspunkt ist die industrielle Revolution und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Entwicklungen, welche uns ein enormes Potential erbrachten. Eben diese Entwicklungen setzen wir aber durch unsere unersättliche Gier nach Macht, Besitz, Konsum und unseren Glauben an ewiges Wirtschafts- und Fortschrittswachstum gegen den ganzen Planeten und alles, was darauf lebt, ein. Glaubend,wir können uns aus der Evolution durch unsere Errungenschaften ausklinken, platzierten wir uns selbst auf dem absterbenden Ast, um dann auch noch kräftig daran zu sägen und darauf herumzuspringen. Durch unsere Ignoranz und Überheblichkeit den "Point Of No Return" verpassend, erwarten wir also unseren selbst verursachten Untergang. Wir sind halt immer noch ein Teil der Natur und werden es immer sein, auch wenn viele von uns es nicht einsehen wollen, und sind ihr gnadenlos ausgeliefert. Aktueller geht es eigentlich nicht, oder? Gerade das macht das Konzept so spannend und zum Black Metal passt es doch auch bestens :).

Ich wollte eigentlich erst über jeden einzelnen Song schreiben, aber das hätte wohl den Rahmen eines Reviews gesprengt. Zu viel passiert in jedem einzelnem Song, was auf jeden Fall Erwähnung finden müsste, da alles so geil klingt :). So versuche ich nun meine vielen Eindrücke etwas kompakter zu gestalten ;-). Nach einem sehr geilen, leicht Dungeon Synth-mäßigen ersten Song, der als instrumentales Intro dient, geht die musikalische Untermalung zu unserem Untergang schon los, und ich kann euch gleich schon sagen, dass "Bit To Ewigen Daogen" ein richtig, richtig geiles Album geworden ist :). Das Trio setzt für mich kompositorisch nochmals einen drauf und lässt selbst die geile EP "Hestia" hinter sich! Das hier ist meiner Meinung nach der bisher beste Release der Band, und es müsste schon mit dem Gekreuzigten zugehen, wenn Toadeater damit nicht so richtig durchstarten! Was für ein betörender, musikalischer Rausch :). Wo fange ich an? Es erwartet euch eiskalte Black Metal-Raserei, sich auftürmende, melodiöse Gitarrenberge, während das Schlagzeug dabei ordentlich nach vorne abgeht, ruhige, in sich kehrende Momente mit unverzerrten E-Gitarren, schön atmosphärische Synthesizer, mal als Akzentuierung genutzt, mal einfach als Instrument für sich allein, vertrackte, sperrige Parts, alles unter sich begrabende Rhythmuswalzen oder sphärische, entrückte Momente :). All das ist oft innerhalb eines Songs zu hören, der dadurch nicht nur in sich selber recht variabel ist, sondern auch jeweils zu den anderen Kompositionen. Hier gleicht wahrlich kein Song dem anderen :). Nicht nur das, alles ist genau auf den Punkt gebracht, wirkt nicht deplatziert oder stört den Gesamtfluss an sich, sondern wird für meinen Geschmack immer genau zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt :). Daraus ergibt sich eine heftige und sehr intensive Achterbahn der Gefühle, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet! Wut, Resignation, Verzweiflung, Einsamkeit, wütendes Aufbäumen, anklagende Abscheu... all das wird euch einer heftig lodernden Flamme einer intensiv strahlenden Fackel gleich auf diesem Album präsentiert :). Wie schon zu erahnen, ist "Bit To Ewigen Daogen" wirklich ein berauschender, mächtiger Trip geworden, an dem ich mich nicht so schnell satt hören werde :). Für mich persönlich haben Toadeater sich ihr Glanzstück aber für den Abschluss aufgehoben. Was für ein umwerfendes Stück Musik :)! Alles, was dieses Album ausmacht, findet sich hier nochmal komprimiert wieder, und lässt daraus einen mächtigen Monolithen entstehen, dessen Anblick euch einen wohligen Schauer der Ehrfurcht bescheren wird, während ihr euch beim Erhören dieser Musik in ihr verlieren werdet. Ruhig klingen dieser Song und diese Scheibe damit aus, um uns in unser Schicksal der Untergangs zu entlassen, damit dieser Planet endlich in Ruhe weiter existieren kann.

Dann mal auf zum Gesang. Es preschen uns wieder Welten der Hysterie und des Wahnsinns entgegen, die mit einer Intensität dargeboten werden, die eure Haare zu Berge stehen lässt, da es so mitreißend ist :)! Dieses inbrünstige und arg kratzige Schreien und Keifen ist wirklich herrlich, mitreißend und voller Emotionen. Was in den Texten und natürlich der Musik vorhanden ist, gilt natürlich auch für die Ausdruckskraft des Gesangs und wird uns eiskalt und kraftvoll serviert. Manchmal erinnert mich die Stimme auch an einen frühen Tomas Lindbergh, wie er voller Inbrunst seine Texte mit überschlagender Stimme in die Welt schrie :). Geilo! Zusätzlich gibt es dieses Mal auch leicht elegisch-epischen Klar- und Sprechgesang, der manchmal wie ein warmer Grundton aus dem Hintergrund heraus agiert, sich als Chor zum aggressiven Hauptgesang gesellt oder für sich allein das Zepter in die Hand nimmt. Alle drei Varianten klingen sehr überzeugend und haben eine dunkle Tiefe in sich, die wirklich ansprechend ist :). Es freut euch auch sicherlich zu hören, dass diese bereichernden Komponenten weder aufgesetzt noch erzwungen klingen, sondern absolut passend und immer stimmig und zum richtigen Zeitpunkt in Erscheinung treten. Sie integrieren sich genauso wie der bisher bekannte Stil bestens und sehr harmonisch in den Fluss der Musik :).

Soundtechnisch wurde "Bit To Ewigen Daogen" im Gegensatz zu "Codex" und "Hestia" dieses Mal nicht im Sunsetter Recording Studio, sondern im Kölner Goblin Sound Studio von Andy Rosczyk (Ultha) aufgenommen, gemixt und gemastert. Konnte sich der Sound dadurch nochmal verbessern? Ich persönlich kann das nur bejahen. Alles klingt jetzt etwas klarer, kompakter, transparenter und ausgewogener. Das braucht aber nicht mit einem glattgebügeltem und gefälligem Sound gleichgesetzt werden, denn der kratzige, düstere und natürliche Grundsound der Band wurde eindeutig beibehalten :). Alle beteiligten Instrumente und der Gesang haben jetzt noch mehr Raum zur Verfügung, um all ihre Kraft entfalten zu können. Dabei kommen sie sich aber gegenseitig nicht in die Quere, sondern verschmelzen zu einer unwiderstehlichen, dichten und schön natürlich klingenden Einheit, die eure Ohren gekonnt umgarnen wird. Der Sound hat für mich jetzt auch mehr Tiefe und wirkt dadurch einnehmender und intensiver :). Echt eine Topproduktion, die auch all die genannten Stimmungen und Gefühle gekonnt in Szene setzt :).

Optisch gibt sich Band dieses Mal in auffällig hellerer Optik. Das ist aber kein Nachteil, denn das Artwork von Drowned Orange ist echt klasse geworden :). Zu sehen ist eine sehr gelungene S/W-Zeichnung einer kargen, abweisenden, winterlichen, aber auch Ruhe ausstrahlende Landschaft, in welcher der Mensch nur eine klägliche, der Natur ausgelieferte Randerscheinung ist. Eine Darstellung der Natur, bevor wir uns auch dank der industriellen und sich daraus immer mehr beschleunigten kulturellen Revolution aufmachten und versuch(t)en, sie uns komplett Untertan zu machen. Passt also top zum textlichen Kontext, der die Artwork-Situation quasi als Ausgangspunkt nimmt. Die Zeichnung an sich wirkt auf mich wie diese herrlich detailreichen Landschaftszeichnungen aus früheren Zeiten, die ein gewisses wildromantisches Flair, etwas nach dem wir uns heute wieder mehr sehnen, mit einschließen. Wirklich sehr gelungen und ein echter Hingucker, der die Dramatik, Tristesse und die Entrücktheit der Songs sehr gekonnt einfängt und vermittelt :). Top :). Dazu gesellt sich dann ein sehr geiles S/W-Bandphoto von Irinia But, auf dem sich das Trio inmitten eines Waldes präsentiert, fast in diesem verschwindet und dadurch auch eine Nichttrennung von Mensch und der restlichen Natur darstellt. Ein von der Ausstrahlung düsteres Bild, welches mich als Waldliebhaber aber sehr positiv anspricht und in mir den Wunsch wachsen lässt, mich auch dort aufhalten zu wollen :). Das Artwork und das Photo sind qualitativ hochwertig gedruckt und bilden dadurch einen Kontrast zum restlichen komplett weißen Booklet, den Credits und den dieses Mal vorhandenen Texten. Der Kontrast zum Geschriebenen entsteht dadurch, dass die Texte handgeschrieben sind und dadurch einen eher spontanen Notizcharakter haben. Beim Tape sind diese sehr guten Texten leider etwas schlecht lesbar, was laut Info am Größenformat liegt, aber auch nicht unlesbar. Nehmt euch einfach etwas Zeit und lasst "Bit To Ewigen Daogen" dabei laufen! Bei den anderen beiden Formaten sollte die Lesbarkeit aber wohl besser sein. Das auf 200 Stück limitierte Tape an sich zeigt sich optisch konträr zum Booklet in Pechschwarz. Den ersten hundert Exemplaren liegt dann auch noch ein Feuerzeug mit Bandname und Albumtitel bei. Schick :). Eile ist also geboten, aber nicht nur hier, denn von der CD gibt es anscheinend auch nur 100 Stück! Das Artwork wirkt übrigens in allen drei Formatgrößen sehr geil. Ist ja auch nicht immer so. Dann zum Schluss noch zum Vinyl. Den Rundling bekommt ihr in einmal in Schwarz und in auf 100 Stück limitierter, schwarz-weißer Marmorierung. Edel :). Beiden Varianten liegen die Texte und die Credits als Insert natürlich bei. Da dürfte also für jede*n von euch was Feines dabei sein :).

Toadeater haben in einem emotionalen Glutofen mit ihrem zweiten Longplayer "Bit To Ewigen Daogen" wahrlich berauschendes, pechschwarzes Metall erschaffen, das euch im Sturm erfassen wird, und von dem ihr vor lauter Ergriffenheit nicht so schnell lassen könnt:)! Ein herrlich intensiver, tief eindringender musikalischer Trip :).


9,5 Punkte!


Songs:
1. ...Before The Desecrated Sanctuary 2:27
2. Conquering The Throne 8:55
3. Crows And Sparrows 7:59
4. Returning The Crown 9:00
5. Too Close To The Sun 8:19

Spielzeit: 36:40

Obliteration... our salvation:
https://kellerasselrecords.bandcamp.com/album/toadeater-bit-to-ewigen-daogen
https://toadeater.bandcamp.com/album/bit-to-ewigen-daogen
https://maniyaxrecords.bandcamp.com/
http://www.revolvermannrecords.de/

// Rudi

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