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Review zu Hraun - Black Molten Essence - 829 Hits
disc Band: Hraun
Album: Black Molten Essence
Genre: Death/Doom
Rls. Datum: 24.04.2020
Label: F.D.A. Records
Laufzeit: 39:25
Wertung: 9.5 / 10.0
 
Heute gibt es mal wieder sehr feinen Stoff aus dem Hause F.D.A.-Records :). Die Rede ist von dem 2018 gegründeten deutschen Projekt namens Hraun, isländisch für Lava, das diesen Monat sein Debütalbum namens "Black Molten Essence" veröffentlicht. Mein Infoblatt sagt mir, dass die beiden Initiatoren, Sascha B. (Gesang) und Marcel S. (Background-Gesang, alle Instrumente), versuchen, mit diesem Projekt den Geist der frühen 90er im metallischen Spektrum von Death, Doom, Black und Gothic einzufangen, um daraus ihr eigenes Universum erschaffen, was mich natürlich sogleich aufmerksam werden lässt :). Da Rico schon so manche coole Band aufgespürt hat, war ich selbstverständlich umso gespannter, was mich wohl erwarten würde, und ich wurde wahrlich nicht enttäuscht :). Hraun haben hier wirklich etwas sehr Beeindruckendes erschaffen. Das war mir schon nach den ersten Tönen bewusst, denn die geschmolzene, schwarze Essenz ist eine wahrlich gelungene Kreation und umgarnt gekonnt und verführerisch meine Sinne :).

Hraun haben mich mit ihrem Sound wirklich von Anfang an gepackt und es ist jedes Mal ein Genuss, diesen musikalischen Rausch zu genießen und darin einzutauchen :). Die oben genannte Intention der beiden Musiker ist mit ihrem Projekt wirklich aufgegangen und bereitet uns mit ihren sieben Songs einen saustarken Auftakt, der mich hoffen lässt, dass noch weitere Alben folgen werden :). Es sei aber auch zu sagen, dass Sascha und Marcel es für die Hörer nicht leicht gemacht haben. "Black Molten Essence" ist kein Album zum Nebenbeihören. Es möchte von euch eure ganze Aufmerksamkeit, denn nur so könnt ihr Einlass in diesen düsteren Kosmos erlangen und das Material in seinem ganzen Umfang erfassen und genießen. Ich versuche mal, wie später auch bei der Produktion, durch musikalische Assoziationen, die beim Hören von "Black Molten Essence" in mir anspringen, den Sound der Band und ihre Atmosphäre, die sie ausstrahlt, etwas zu umschreiben und einzufangen. Da sind natürlich My Dying Bride und Paradise Lost ganz vorne, aber genauso Dark Millennium, Atrocity ("Todessehnsucht"), Type O Negative, die ersten beiden Scheiben von Incubator, spätere Enslaved, nordischer Black Metal oder auch Ved Buens Ende. Ich höre auch Einflüsse aus dem finnischen Death Metal mit seinen düsteren Melodiebögen heraus und muss an Sentenced ("North From Here") und die Debüts von Demigod und Adramelech denken. Candlemass, Bolt Thrower, groovige Morbid Angel und Einflüsse aus dem Post Rock/Metal flimmern in meinem Hirn beim Hören auch noch auf. So vielschichtig Hraun klingen, so ist auch meine Umschreibung, aber bei dieser Auflistung sollten eure Leiber sicherlich von einem nervösen Zucken überrannt werden :). Das Grandiose an Hraun ist, dass das Songwriting zu jeder Zeit in sich absolut schlüssig ist. Hier holpert nichts oder geht ungeschickt ineinander über. Alles ist in einem Fluss, nicht wirkt erzwungen, sondern das Material klingt jederzeit in sich stimmig, sehr überzeugend, intensiv und mitreißend :). Hier wird auch nicht kopiert, sondern voller Herzblut und Hingabe Musik zelebriert und gelebt. Daraus resultiert eine herrlich betörende Achterbahn der Gefühle, auf die ihr euch unbedingt einlassen solltet :). Gebt euch nur den zerbrechlichen Momenten, der brachialen Gewalt, der Dunkelheit, der Trauer und der Wut in dieser Musik hin. Überzieht euch in einem Moment noch eine Gänsehaut, reißt euch just darauf ein brachialer Kraftakt des Zorns von den Beinen, nur um euch danach sanft in die Arme zu schließen, denn der tiefe Sturz ins Nichts voller Tränen und Verzweiflung in einem gnadenlosen Regenschauer ist nicht weit weg. Aber auch dies zieht wie ein Unwetter vorüber und ihr rafft euch voller Kraft und Hoffnung wieder auf, gewappnet für die nächsten Schicksalsschläge. Wenn dies für euch reizvoll und verführerisch klingt, solltet ihr euch unbedingt auf Hraun und ihre Kompositionen einlassen :). Ihr werdet es nicht bereuen :).

So beeindruckend wie das musikalische Spektrum zeigt sich auch die stimmliche Bandbreite von Sascha, unterstützt von Marcel, denn die Vielschichtigkeit ist wirklich klasse. Es gibt klassisches und sehr kraftvolles Old School Death Metal-Gegrunze und -Gekeife, das natürlich perfekt zum Doom/Death-Flair passt. Ich bin bei bei dieser Art von Musik eh immer begeistert von der brachialen und düsteren Tiefe, die durch den Einsatz von Death Metal-Gesang dabei entsteht :). Kombiniert wird das mit düsterem, hellerem und teils gesprochenem Gesang und einer Gothic Rock-mäßigen Stimme :). Natürlich erinnert das auch an Nick Holmes oder Aaron Stainthorpe, höchstwahrscheinlich auch beabsichtigt, aber Sascha braucht sich dabei auch hinter den beiden genannten Personen verstecken, finde ich. Denn hier wird nicht kopiert, sondern aus den Inspirationen eine Stimme voller Hingabe genährt :). Umwerfend :). Richtig baff war ich auch, als mir das erste Mal dieser engelsgleiche, zarte, höhere und zerbrechliche Gesang wie bei "In The Pouring Rain I Lie" begegnete. Völlig durchdringend und ergreifend! Dazu gesellt sich auch gerne mal schwarzes, garstiges Geschrei, das zum Beispiel zum klaren Gesang einen herrlichen Kontrast bildet. Gerade das generelle Spielen mit stimmlichen Kontrasten und somit von Gefühlsebenen ist auf Hrauns Debüt sehr gelungen und führt uns, genau wie die Musik, auf eine sehr spannende, mitreißende und auch sehr emotionale Reise :). Einfach nur herrlich! Die gekonnten Wechsel, der immer genau zur aktuellen Stimmung der Lieder passende Gesang - das gelingt nur jemandem, der mit jeder Zelle seines Körpers in der Musik aufgeht, sie atmet und lebt :). Das zu hörende intensive Ergebnis verbindet sich dann mit den Songs zu einem untrennbaren Strom, der euch mit all seiner Kraft mitreißen wird :).

So ein vielschichtiges Album braucht dann natürlich auch eine Produktion, die die verschiedenen Stile und Stimmungen, welche "Black Molten Essence" in sich vereint, damit alles an Aromen aus dieser fulminanten Essenz herausgekitzelt wird, damit die Scheibe ihre optimale Wirkungskraft entfalten kann. Dafür hat Marcel bei der Aufnahme der Stücke als Unterstützung für Peter Ostaszewski mitgewirkt. Letzterer hat dann im Studio am Wasserturm (Duisburg) den Mix und die Produktion übernommen, welche dann von Dennis Koehne gemastert wurde. Das Ergebnis ist eine wirklich umwerfende Produktion, die alles aus dem Album herausholt und mich echt zu begeistern weiß :). Die musikalische und emotionale Kraft der Stücke wird wahrlich bestens in Szene gesetzt und wird durch die freigesetzte Energie euer Blut zum Kochen bringen! Diese schön natürliche, lebendige, wuchtige und schön ausbalancierte Produktion ist echt ein Genuss und erfreut mein Gemüt, wie die Songs, wirklich sehr :). Der Sound erinnert mich grob an eine Mischung aus "Light At The End Of The World", "The Dreadful Hours", Dark Millenniums "Diana Read Peace", etwas "Todessehnsucht" und "Covenant" und einem guten Schuss Tico Tico Studio-Sound im Sinne von "North From Here", "Slumber Of Sullen Eyes", "Psychostasia" oder auch "Ugra-Karma". Dazu noch etwas Enslaved im Sinne von "Below The Lights","Isa" oder ""Axioma Ethica Odini", wie ich finde. Ich hoffe, ihr könnt euch etwas darunter vorstellen, was für ein cooler Sound euch hier erwartet :). Falls nicht, habt ihr nun noch einen Grund mehr, euch diesen Knaller zu Gemüte zu führen :).

Das alles schreit natürlich auch nach einer gelungenen, visuellen Präsentation und glücklicherweise konnte dafür Rebecca Wæik (WÆIK) gewonnen werden, die mich mit ihrer Kunst immer wieder zu begeistern weiß :). Das ist auch hier wieder der Fall, denn neben einem sehr gelungenem Logo gibt es auch noch ein sehr beeindruckendes Artwork dazu :). Inmitten eines pechschwarzen Universums sammeln sich, angezogen durch ein vom Bösen bewachten infernalischen Strudel, planetenhafte, untereinander verbundene Erscheinungen. Für mich wirken diese Erscheinungen fast lebendig, ganz so, als würden sie sich ganz bewusst um diesen Höllensog versammeln, nachdem sie dem Ruf des Gehörnten wohlwollend gefolgt sind. Ein wirklich bedrohliches und majestätisches Szenario, dessen ich gerne Zeuge werde, da das Bild echt extrem cool geworden ist :). Habe ich jetzt aber auch nicht anders erwartet :). Dieser punktierte Zeichenstil ist sehr gelungen und lässt die Planeten einerseits massiv, aber zugleich auch wie zerbrechliche Seifenblasen wirken. Diese massiven und zerbrechlichen Momente finden sich ja auch in den Songs wieder, weshalb ich die Darstellung sehr passend finde. Diese Stimmungen und diese allumfassende Düsternis, die Hraun ausstrahlen, sind auf Rebeccas Bild, meiner Meinung nach, eindeutig wiederzufinden. Eine herrliche Arbeit. Dazu kommt dann noch das sehr coole Logo, das für mich wie eine Holzschnitt- oder Holzlötkunst aussieht und sich mit seiner rustikalen Eleganz ausgezeichnet in das restliche Cover einfügt :). Das exquisite Cover findet sich dann auch auf der CD und der Hülleninlayseite wieder :). Auf der Außenseite des Inlays gibt es dann auch noch eine weitere, zum Frontcover passende Zeichnung :). Von außen optisch schon bestens verwöhnt geht der Spaß im Booklet natürlich weiter, da dort Marc Niederhagemann (ArtWars-Mediadesign/Lifeless) mit WÆIKs herrlichen Bildern und den den sehr stimmigen Bandphotos von Peter Bernsmann die Möglichkeit hatte, ein visuell sehr ansprechendes, nicht zu überladenes und düsteres Layout zu schaffen, das auch die Texte gekonnt in Szene setzt :). So ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu übersehen, dass durch die beiden diese grandiose Scheibe auch auf der visuellen Ebene ein Volltreffer ist :).

Hraun veröffentlichen mit ihrem Debüt "Black Molten Essence" einen wirklich sehr beeindruckenden und betörenden Schmelztiegel der Düsternis, dessen vielschichtiges Universum zu erkunden ich euch dringend ans Herz lege. Eine herrliche Reise durch die Abgründe des Death, Doom und Black Metals, die ihr absolut nicht verpassen solltet!


9,5 Punkte!


Songs:

1. Occult Blood 05:57
2. Rituals 04:50
3. In The Pouring Rain I Lie 06:16
4. Seducing Voices 04:47
5. Hamarinn 05:40
6. Take Back The Light 06:34
7. Through The River Black 05:21

Spielzeit: 39:25

// Rudi

 ec

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