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Review zu Minenfeld - The Great Adventure - 341 Hits
disc Band: Minenfeld
Album: The Great Adventure
Genre: Death Metal
Rls. Datum: 26.04.2019
Label: Fucking Kill Records
Laufzeit: 39:23
Wertung: 9.5 / 10.0
 
Heute bespreche ich mal eine Scheibe, die schon im April dieses Jahres veröffentlicht wurde. Da diese bei mir aber auf Dauerrotation ist, die Band dieses Jahr bei uns in der Region schon in Braunschweig und neulich in Wolfsburg gespielt hat, nahm ich mir diese Ereignisse als Anlass für dieses Review. Die Rede ist vom akustischen Frontalangriff namens Minenfeld. Gestolpert bin ich über diese umwerfende Band durch ihr Splittape mit den ebenfalls sehr geilen Kriegszittern. Nachdem ich die Band auf einem Konzert in Göttingen erleben durfte, mir dort das Promo-Tape von 2017 ergaunerte und letztes Jahr die Split mit der Killerkombo Cryptic Brood kaufte (alle drei Veröffentlichungen sind grandios), war ich im Frühjahr also wirklich sehr gespannt auf den ersten Longplayer namens "The Great Adventure", welcher inhaltlich die Teilnahme der USA am Ersten Weltkrieg thematisiert. Da stellt sich natürlich für Leute, die die Band nicht kennen, gleich die Frage, ob wir es hier mit einer kriegsglorifizierenden Band aus dem Bereich des War Metals oder mit einer dem Thema gegenüber kritischen Band zu tun haben. Aufgrund der Texte und der Bandaussagen lässt sich hier eindeutig sagen, dass Minenfeld zur letzteren Fraktion gehören.

Nach einem Intro, welches ein originales US-Propagandasample aus dem Ersten Weltkrieg ist, bricht das Höllenfeuer auch schon erbarmungslos über euch herein und lässt keine einzige Sekunde der gesamten Spielzeit auch nur einen Moment lang nach. Meine Fresse, ist das hammergeiler Stoff! Diese Energie, diese mitreißende Intensität, diese Brutalität und diese brachiale Atmosphäre, die keine Hoffnung aufkeimen lässt... einfach nur der Wahnsinn :)! Ich bin wirklich total baff und ergriffen von dem, was mir da aus meinen Boxen entgegenballert. Wer von euch die Band nicht kennt, kann sich einen räudigen, eigenständigen und saugeilen Bastard aus den ersten drei Bolt Thrower-Scheiben und herrlich straighten Old School Death Metal, der gerne mal in schwedische Gefilde driftet, vorstellen, der sich auch im Crust-Umfeld bedient und Einflüsse von z.B. Pionieren wie Axegrinder und Sacrilege ("Behind The Realms Of Madness") oder späterem Stoff wie Hellshock oder Sanctum ("On The Horizon") verarbeitet. Übergossen wird Das Ganze mit der morbiden, bedrohlichen und apokalyptischen Ausstrahlung von Autopsy, Hellhammer, Winter und Saw Throat, wobei hier tatsächlich nur die Atmosphäre gemeint ist. Das Ergebnis ist wahrlich das absolute Inferno, das alles, was sich in den Weg stellt, in Stücke reißt und nur Verwüstung hinterlässt! Unfassbar, was die Jungs von Minenfeld hier erschaffen haben :). Als würde der Wahnsinn des Krieges sich einen akustischen Weg in die Welt bahnen, nur Elend und Wahnsinn hinterlassen und sich wie ein Leichentuch über uns herabsenken. Hört euch nur mal einen Song wie "Tote Erde" an und ihr werdet mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen da stehen, ob dem was ihr gerade vernommen habt. Dazu wird euer Herz entflammen und euer Blut vor Freude kochen, da die Songs so killermäßig sind :). Ich bin echt hin und weg und kann euch nur empfehlen, unbedingt reinzuhören :).

Das zum Beginn der Scheibe zu hörende Sample ist übrigens nicht das einzige, denn jeder Song wird durch gesprochene Nachrichtenausschnitte oder Lieder aus der US-Kriegspropagandamaschinerie der damaligen Zeit eingeläutet und zeigt auf, mit welcher trickreichen Vehemenz versucht wurde, neues Kanonenfutter für die Front zu rekrutieren. In einer Zeit, in der Radio in der Regel die einzige Informationsquelle war, eine wirklich perfide Angelegenheit, mit heldenhaften, aufreißerischen Meldungen und Ohrwürmern das Hirn und das Herz zu verführen. Im patriotischen Taumel mitgerissen geht es dann Schlag auf Schlag... Schützengraben und bämm... weggeschossener Unterkiefer oder Siechtum mit Bauchschuss im Granatenkrater... wenn nicht sogar Schlimmeres. Unser heutiges Wissen darüber in Kombination mit den Texten und der gnadenlosen und schonungslosen Härte der Musik erschaffen wahrlich ein bedrohliches, bedrückendes und sehr intensives Erlebnis namens "The Great Adventure". Unfassbar gut :)!

Aus diesem Inferno heraus dröhnt ein markerschütternder Gesang, der der Brutalität, Düsternis, Kraft, Energie und Intensität der Musik in Nichts nachsteht. Absolut rottiges und krächziges Gegrunze, das voller Wut die Texte in die Welt kotzt. Hier wird wahrlich nichts beschönigt, sondern kurz, bündig, kritisch und eindringlich im D-Beat-Stil die große Geißel der Menschheit, der Krieg, beleuchtet, sodass es wie ein alles durchdringender und anklagender Nachhall der Toten auf dem Schlachtfeld klingt. Diese mit Hall unterlegte Stimme ist wirklich brachial, herrlich intensiv, hat neben den Death Metal-Vibes auch ein leichtes Crust-Flair und erinnert mich gerne an das Gekotze von Bands wie Doom oder Extreme Noise Terror :). In Kombination mit der grandiosen Musick entsteht eine Druckwelle, die euch zu Boden schmettern wird. Herrlich!

Dass sich hier soundtechnisch keine Hochglanzproduktion aus den Boxen presst, dürften sicherlich alle von euch schon ahnen und Henner (Mix) und Chief Role (Mastering) haben in den Tonmeisterei Studios in Oldenburg echt ein Soundungeheuer erschaffen. Dieser derbe, fette, enorm düstere und herrlich brutale und natürliche Klang wird euch in null Komma nichts die Haut von euren Knochen schmirgeln und diese dann durch den Druck der Produktion zu Staub verpuffen lassen. Unser Glück, denn ein steriler Klang hätte der ganzen Scheibe all ihrer Kraft, Energie und Ausstrahlung beraubt, aber so erwartet uns eine Attacke, die gnadenlos auf unsere Trommelfelle einprügelt. Grandios :). Ich finde den Sound absolut perfekt für diese Scheibe. Hier will halt nichts schön klingen und das ist auch gut so :). Das Ganze hat für mich ganz grob was von einer Mischung aus den drei ersten Bolt Thrower-Alben und den bereits erwähnten Sanctum und der Atmosphäre ihres Albums "On The Horizon", um euch mal eine gewisse grobe Orientierung zu geben :).

Das Thema Krieg hat sich nicht nur textlich niedergeschlagen, sondern natürlich auch visuell in einer entsprechenden Aufmachung für diesen LP-/Tape-Release (jepp, es gibt keine CD). Für das Artwork, das sich komplett über die ganze Gatefold-Außenseite zieht, hat Jan Buragay eine Erster-Weltkrieg-Collage erschaffen, die quasi fast alle Aspekte, die mir bei diesem Thema in Sinn kommen, beinhaltet. Das Ganze wirkt durch seine Farbgebung, die sehr ansprechend ist, und dem Zeichenstil für mich tatsächlich wie ein altes Propagandaplakat, welches versucht, mich in seinen Bann zu ziehen, damit ich für die "gute Sache" losziehe. Wirklich hervorragende Arbeit. Das Gleiche gilt auch für Sndnbck, der neben einem ansprechenden Layout, nach der Verlockung auf dem Cover, für die restliche visuelle Präsentation im Inneren zuständig ist, welche uns die hässliche Fratze des Krieges schonungslos präsentiert. Klappt ihr die Hülle auf, ist nämlich als erstes eine beeindruckende wie auch erschreckende Collage alter Photos zu sehen, bei der klar wird, dass Krieg nicht einfach nur ein lustiges und spannendes Abenteuer ist. Das entnehmbare Inlay, inklusive der Texte und Credits, spricht die gleiche Sprache. Eine Sprache, die nicht auf effekthaschende Aufmerksamkeit zielt, sondern ganz klar und nüchtern die Folgen von Krieg aufzeigt. Bezüglich der LP an sich hatte sich Fucking Kill Records auch einiges einfallen lassen, denn neben der limitierten schwarzen LP existieren noch in sehr geringen Auflagen LPs in türkis, schwarz-türkise Splatter-LPs in verschienden Mischintensitäten und eine Auflage von durchsichtigen LPs, die immer türkiser werden. Krasse Sache!
Neben dieser exquisiten Rundlingsversorgung werden natürlich auch die Liebhaber*innen des Magnetbandes nicht vergessen. Hierfür verantwortlich zeigte sich Lycanthropic Chants und zwar einmal mit einem orangen und einem bräunlichen Tape. Dazu gesellt sich nochmal eine Version des orangenen Tapes in einer grünen Kassettenhülle, die zusätzlich in einem sehr edlen, weißen Cardboard steckt, auf den das Bandlogo gestanzt ist, in dem wiederum das Artwork zu sehen ist. Hammergeil und alle Tapes sind natürlich auch limitiert. Was mir am Tape auch besonders gut gefällt, ist die Aufmachung. Oft gibt es ja eine recht abgespeckte Bookletversion, aber hier ist das absolut nicht der Fall, denn Steffen Brandes konnte für die Übertragung der LP-Aufmachung auf die Tape-Version FINAdesigns an Bord holen und sie hat sich wirklich sehr viel Mühe gegeben, dem Tape-Booklet eine qualitativ hochwertige Erscheinung zu geben. Es gibt das komplette Gatefold-Artwork beim Aufklappen des Booklets zu bestaunen, alle Texte und Credits sind vorhanden und sie konnte, abgesehen von der Photocollage, die sicherlich aus Platzgründen fehlt, das komplette LP-Inlay in das Booklet integrieren. Das Ganze wirkt in sich sehr harmonisch und wohl platziert aus, als wäre alles exakt für dieses kleinere Booklet kreiert worden und nicht für ein ursprünglich größeres Format. Hier versteht jemand wahrlich sein Handwerk, hatte anscheinend sehr viel Spaß an der Arbeit und hat ordentlich Herzblut reingesteckt. So muss das sein :).

Ich kann euch wirklich nur raten, euch diesen phänomenalen Tonträger unbedingt zu besorgen, denn dieser düstere und infernalische Brocken wird euch mit seiner Brachialität, Brutalität, Intensität und Energie einfach nicht mehr loslassen :). Dieser Undergroundkracher ist eindeutig ein Pflichtkauf, wie ich finde :). Es sei euch aber gesagt, dass es anscheinend, wenn ihr "The Great Adventure" kaufen wollt, sehr schwierig werden kann, diesen noch zu bekommen. Beide Tonträgervarianten sind, wie erwähnt, streng limitiert und, soweit ich informiert bin, auch ausverkauft. Vielleicht habt ihr ja Glück und die Band verkauft noch was auf ihren Konzerten oder es gibt irgendwann einen Rerelease, welchen ich auf alle Fälle für sinnvoll halte, denn diese Scheibe gehört eindeutig in eure Sammlung :). Ich glaube bei Fucking Kill Records tut sich im Moment wegen einer neuen LP-Auflage sogar etwas :). Also Augen auf :). Bis dahin empfehle ich euch erst einmal, "The Great Adventure" als digitale Version bei der Band direkt zu besorgen (https://minenfeld.bandcamp.com/releases). Wie gesagt, es lohnt sich absolut :):

War's no fairytale... 9,5 Punkte!


Songs:

1. The Great Adventure 05:15
2. Upon Gruesome Pathways 02:35
3. Blood Traces 03:13
4. Assault 04:18
5. Dethrone The Tyrant 02:32
6. Tote Erde 05:05
7. Dust & Iron 02:26
8. Bellum Omnium Contra Omnes 08:44
9. Wunden 05:25

Spielzeit: 39:23


https://minenfeld.bandcamp.com/

https://fuckingkillrecords.bandcamp.com/music

https://lycanthropic.de/

// Rudi

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