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Review zu Eremit - Carrier Of Weight - 387 Hits
disc Band: Eremit
Album: Carrier Of Weight
Genre: Doom/Sludge
Rls. Datum: 25.02.2019
Label: Transcending Obscurity Records
Laufzeit: 68:24
Wertung: 10.0 / 10.0
 
Es gibt wieder neues Futter von Kunal und seinem Label Transcending Obscurity Records :). Da mich seine bisherigen Releases, die mir zu Ohren kamen, immer sehr begeisterten, war ich hier natürlich auch wieder sehr gespannt. Dieses Mal hat er sich eine Band aus Osnabrück ausgesucht, welche auf den Namen Eremit hört, was mich doch gleich ansprach, zumal mich das Bandlogo in seiner Gestaltung an den "Conan der Barbar"-Schriftzug erinnerte. Drei Songs in 68 Minuten ließen mich schon ahnen, was mich erwarten würde. Ein weiterer Hinweis war für mich auch eines der Eremit-Mitglieder, denn neben Pascal Sommer (Gitarre) und Marco Baecker (Drums) ist als Dritter an der Gitarre und am Gesang ein gewisser Moritz Fabian mit im Bunde. Jener Herr dürfte in der Region BS/WOB sicherlich einigen Leuten bekannt sein, da er mit seinem musikalisch vielseitigen Soloprojekt 7abian während seiner Zeit in Braunschweig mit, meiner Meinung nach, geilen Releases und beeindruckenden Konzerten im Bereich Doom/Drone aufwarten konnte. Dann also mal voller Vorfreude das Debüt "Carrier Of Weight" angeworfen :).

Nach einigen ruhigen Momenten, die mich in die Welt des Eremiten begleiten, geht es abrupt in ein Donnern über, das eure Wohnung und euch selbst erzittern lässt! Meine Güte, ist das genial! Wie soll ich diese drei Epen, aus denen "Carrier Of Weight" besteht, am besten beschreiben? Stellt euch grob eine Schnittmenge aus Bands wie Thorr's Hammer, Teeth Of The Lions Rule The Divine, Sunn O))) oder Spancer vor, kombiniert das mit der zähen und aggressiven Wucht von Grief oder Eye Hate God, addiert eine epische Tiefe, wie sie z.B. Reverend Bizarre kreiert, und tränkt das alles mit der düsteren Tristesse und Weite, wie sie z.B. das Album "Hex; Or Printing In The Infernal Method" von Earth ausstrahlt. Wenn euch diese Aufzählung anspricht, solltet ihr euch sofort in die Welt von Eremit beamen und in sie eintauchen. Die Musik, die mich hier durchzieht, ist wahrlich beeindruckend, erhaben und sehr intensiv, sei es in der Stille oder der ungebremsten, dröhnenden Wucht jedes einzelnen und fetten Riffs, das voller Genuss ausgespielt wird. Jederzeit habe ich das Gefühl, für mich alleine zu stehen und sehnsüchtig in die verschluckende Weite der Welt zu blicken, in ihr aufzugehen und dabei ein wohliges, auch beruhigendes und teils befreiendes Gefühl zu spüren :). Herrlich :)! Auf dieser Scheibe hat wirklich jeder Augenblick seinen Raum und seine Zeit, um die Kraft und Energie, die diesen Songs innewohnt, in voller Pracht entfalten zu können. Was anderes hat diese umwerfende Musik auch gar nicht verdient. Sie hat es auch nicht verdient, nebenbei gehört zu werden, denn dazu wurde sie nicht erschaffen. Klinkt euch einen Moment aus, verlasst die Welt der Schnelligkeit und ewig einprasselnden Eindrücke und nehmt euch die Zeit, welche "Carrier Of Weight" benötigt, um euch in diesen urwüchsigen Kosmos zu geleiten. Es lohnt sich :).

Es sei auch noch erwähnt, dass es schon einiges an Können bedarf, bei dieser Art der Musik und der Länge der Lieder Kompositionen zu erschaffen, welche über den ganzen Zeitraum spannend und mitreißend bleiben, ohne sich in langweiliger Monotonie und Dauerschleife zu ertränken. Eremit haben dieses Können auf alle Fälle. Dieses wurde dann noch mit Hingabe und Herzblut bereichert, um einen eindrucksvollen Monolithen zu erschaffen :).

In dieses absolut betörende Dröhnen und Zerdrücken bricht sich mit aller Macht ein Gesang, der es einfach nur in sich hat :)! Moritz' Stimme wirkt schon fast wie ein zusätzliches Instrument, welches voller Begier auf die Songs eingehen und ihre Intensität noch mehr steigern möchte, was auch sehr gelingt und euch ein akustisches Gesamtpaket liefert, dessen Stärke immens ist. Tiefe, leicht kehlige Growls, kein Gegrunze, die wütend gegen eure Brust hämmern, garstiges Gekeife, das um sich herum alles gefrieren lässt und dazu gibt es Schreie en masse, alles durchdringende Schreie, welche eure Körper in fiebrige und angespannte Ekstase versetzen werden, während sie durch die Täler, Ebenen und Gebirge der Welt schallen :)! Das alles wird mit herrlich viel Hall unterlegt und unterstreicht dadurch die unendliche Weite und Tiefe, die "Carrier Of Weight" verbreitet. Ein wunderbarer Genuss :).

Aufgenommen, gemixt und gemastert wurde von Role in der Tonmeisterei zu Oldenburg und das Ergebnis ist wahrlich grandios. Die Produktion ist herrlich natürlich, roh, erdig, kraftvoll, ausgewogen und voller Leben und Leidenschaft :). Der Sound wird zu jedem Moment, ob in die Ferne schweifend, zerstörerisch oder still und zerbrechlich, der Atmosphäre und Intention der Lieder gerecht und presst sich zäh, aber voller Energie, einem Lavastrom gleich, aus euren Boxen. Grandios :). Dreht eure Anlage ruhig ordentlich auf und bringt die Atome in eurer Umgebung in heftige Vibration. Sie werden die immense Energie, die ihnen entgegenschallt, voller Sehnsucht aufsaugen und sich dem Takt von "Carrier Of Weight" voller Liebe hingeben :).

Nun auf zur visuellen Präsentation, denn solch eine geile Scheibe hat natürlich auch ein tolles Äußeres verdient! Das coole Bandlogo, kreiert von Hagiophobic, erwähnte ich ja bereits zu Beginn und es bringt die Wucht der Songs gerade durch sein archaisches und urwüchsiges Flair wirklich gut rüber :). Da ich eh ein Faible für so etwas habe, werde ich damit also schon mal gut bedient ;-).
Das wirklich gelungene Cover von Mariusz Lewandowski bezieht das Thema "Eremit" sehr gut in das Bild mit ein, zeigt es doch einen einzelnen, der Zivilisation entflohenen Menschen, welcher winzig gegenüber der Welt wirkt und geradezu in ihr zu verschmelzen scheint. Einsam rudert er voller Entschlossenheit auf seiner zerfallen wirkenden Barke auf eine leuchtende Sichel zu, welche wie der einzige Lichtblick wirkt in dieser schroffen, steinigen, düsteren und abweisenden Küste, welche unbarmherzig von der stürmischen See gepeitscht wird. Das Ziel muss wahrlich verlockend sein, um diese gefährliche Strapaze auf sich zu nehmen. Ein wirklich beeindruckendes Bild :). Dazu gesellt sich ein düsteres und passendes S/W-Bandphoto von Ani Levottomuus, das wie die Texte auch in ein schön schlicht gehaltenes und von jugendstilhaften Ornamenten eingerahmtes und sehr effektives Layout von Francesco Gemelli gebettet wird. Mich spricht auch auch dieser konsequent für Schrift und Layout genutzte gelblich-erdige Farbton sehr an, der im Kontrast zum Artwork und dem ansonsten schwarzen Hintergrund sehr intensiv wirkt.
Ich besitze das aufklappbare Digipack, das sich, wie auch das Booklet, in dickem Papier bzw. Pappe präsentiert, und uns beim Berühren ein angenehmes Gefühl gibt. Hier spürt man gleich, dass man hier ein hochwertiges Produkt in der Hand hält. Das weiß zu gefallen :). Klappt ihr das Digipack komplett auf, erwartet euch ein zentraler Teil des Artworks im Detail, nämlich der Eremit, was sehr beeindruckend aussieht. Das Ganze gibt es übrigens auch als Gatefold-2LP in durchsichtigem, blau marmoriertem Vinyl! Kunal wäre aber nicht Kunal, wenn er es für seine Bands dabei belassen hätte, denn beide Tonträgerformate gibt es auch wieder als fett aufgemachte Boxen voll geiler Gimmicks, die das Sammlerherz wahrlich höher schlagen lassen :)!

Ich bin echt hin und weg von diesem brachialen Stück Musik und kann euch nur empfehlen, euch diese Scheibe zu besorgen :). Dieses Album ist ein grandioses Werk geworden und ein absoluter Pflichtkauf für Liebhaber und Liebhaberinnen der intensiven, zähen, kriechenden und alles vereinnahmenden akustischen Verdammnis, die unsere Herzen und unseren Geist in einen freudigen Zustand der alles durchfließenden Vibration versetzen wird :)!


Der Eremit ist glücklich... 10 Punkte!


Songs:

1. Dry Land 23:39
2. Froth Is Beckoning 11:23
3. Cocoon Of Soul 33:22

Spielzeit: 68:24


Zum Schluss noch ein Tipp für alle, die jetzt Blut geleckt haben und aus der Region kommen: Eremit werden mit der Band Shakhtyor am Sonntag, den 17.02., in Braunschweig im Nexus auftreten und alles zum Erbeben bringen. Der Eintritt liegt bei 5-7€. Einlass ist um 17:00 und Beginn um 17:30. Lasst euch das nicht entgehen, denn Photos und Videos ihrer bisherigen Konzerten machen einen grandiosen Eindruck! Veranstaltet wird dieser Spaß von Moth & Light. Ich werde auf alle Fälle dort sein :).

// Rudi

 ec

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