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Interview mit Chaos Path
Band: Chaos Path
Homepage: https://www.facebook.com/chaospath666/
Datum: 10.10.2018
 
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Hellcome werte Leserschaft! Nachdem Chaos Path mich mit ihrem ersten musikalischen Lebenszeichen "The Awakening" sehr überzeugten, war es Zeit für ein Interview, um die Band auch über diese Ebene zu unterstützen, denn Support haben sie wirklich verdient. Für Frage und Antwort stand Gitarrist Viides Ratsastaja (VR) parat und wurde dabei durch Anmerkungen des Sängers Ancient Weapon (AW) unterstützt. Dann viel Spaß beim Lesen!

H666: Erstmal hallo und herzlich willkommen bei Hotel666! Da ich davon ausgehe, dass ihr als recht neue Band noch nicht ganz so bekannt seid, fange ich mal ganz klassisch an mit der Bitte, euch erst einmal vorzustellen.
VR: Hallo und zunächst herzlichen Dank für dein Interesse! Neu im Sinne von Lebensalter sind wir sicherlich nicht. Als alte Hasen im Geschäft haben wir Ende 2016 in Kassel mit Chaos Path aber noch mal alles auf eine Karte gesetzt und gezielt bei Null quasi ganz von vorne angefangen. Einmal von Anfang an mit den richtigen Leuten an der Seite alles richtig zu machen und keine Kompromisse in jeder Hinsicht einzugehen macht mehr als nur Spaß. Ich glaube, „Selbstverwirklichung“ kommt der Beschreibung wirklich extrem nahe und das gilt für jedes Mitglied unseres Chaos Clans. Wir sind, Chaos und Schicksal sei Dank, zusammengewürfelt aus Kassel, Berlin und Halle/Saale gekommen und haben uns in Bands wie Gymir, Ancient Wargod oder My Cold Embrace usw. unsere Undergroundsporen über Jahrzehnte erspielt. Im Dezember 2017 folgte das erste Konzert, im März 2018 die erste Mini-LP „The Awakening“ auf Vinyl und außerdem einige Konzerte mit größeren Bands wie Night Demon, Attic, Rage, Morgoth usw. - so kann und muss es weitergehen. Die nächste Mini-LP auf Vinyl steckt schon in der sehr konkreten Planung. Die Songs sind fertig.

H666: Euer erstes musikalisches Lebenszeichen "The Awakening" ist ja schon seit einiger Zeit draußen. Wie ist denn die bisherige Resonanz von der Presse und vor allem von den Fans? Erhaltet ihr viel positives Feedback? Mir persönlich gefällt eure Scheibe wirklich gut. Vor allem die letzten drei Songs haben es mir sehr angetan.
VR: Vielen Dank für das Lob. Beim Zusammenstellen der Scheibe wurde dem Zeitpunkt der Entstehung beim Positionieren der Songs teilweise Rechnung getragen, grundsätzlich ist aber die erste Seite bewusst die thrashigere/old schooligere, die zweite Seite die brutalere und schwärzere Seite. Diese Dualität wird man auch auf unserer kommenden zweiten Mini-LP unserer ersten Trilogie (!) nachvollziehen können und so die verschwisterten Pendants zur ersten Scheibe erkennen. Die Story geht weiter und wir erzählen die Geschichte auf dem Chaos Pfad weiter. Freut euch schon mal auf den Opener der B-Seite. In Sachen Brutalität haben wir da ein neues Ausmaß erreicht. Die Presse ist bei deutschen Bands prinzipiell erst einmal zurückhaltend, „Kumpel“ Black/Death Metal mieft vor allem in Deutschland nach „keine Authentizität“, so dass Lob bei deutschen Bands normalerweise eher dosiert ausfällt. Dennoch können wir mit den Rezensionen wie bei euch, im Legacy oder dem Deaf Forever extrem gut bei Veranstaltern und Plattenformen für die nächsten Schritte hausieren gehen, wir sind mit Lob überhäuft worden. Mut, Schmerz, Blut und Anstrengung haben sich also gelohnt. Die Fangruppe bei einer „neuen“ Combo wie uns bildet sich gerade und bereits jetzt finden wir extrem viele Wiederholungstäter vor der Bühne wieder. Viele helfen uns, den Namen im Netz weiter zu verbreiten, nicht zuletzt haben auch Spotify, Amazon usw. gerade zu einem nochmaligen Anschub geführt, da kann man sich jetzt auch alles von uns reinziehen. Das schwarze Chaos Konzept kommt an, wir werden als sehr individuell wahrgenommen. Den Mut bewiesen zu haben, mit mehrfarbigen Vinylversionen in den Markt gestartet zu sein, zahlt sich aus.

H666: Wie habt ihr denn zusammengefunden? Ihr habt ja schon Erfahrungen in diversen Bands gesammelt. Haben euch die dortigen musikalischen Ausrichtungen nicht mehr gereizt, so dass die Sehnsucht nach kreativer Befriedigung woanders gestillt werden musste?
VR: Letztlich haben God of Carnage (Gitarre) und ich, Viides Ratsastaja (Gitarre) ziemlich am selben Tag eine Anzeige in einem Musikerboard aufgegeben (Ich hatte wenige Stunden zuvor My Cold Embrace nach jahrelangem Frust verlassen). Die Schnittmenge der dort gleichsam genannten Bands war derart hoch, dass ich das Profil von God of Carnage zunächst für einen Fake meines Profils hielt. Als ich ihn anrief wusste er sofort, dass ich „der andere“ bin. Wir haben die Gitarren zusammen eingestöpselt und uns von Sekunde 1 an blind verstanden, ergänzt, geschätzt und verbrüdert. Uns war klar, dass wir bei allen Personalangelegenheiten grundsätzlich 100% Übereinstimmung haben wollen, denn wir sind das Startgerüst. Den Chaosblaster kenne ich seit Jahrzehnten und dachte mir, dass sein abwechslungsreiches und extrem unkonventionelles Drumming Chaos Path die richtige Würze geben würde. Richy Backfire haben wir auch über eine Anzeige bekommen. Witzigerweise haben er und der God eigentlich Punk- und Hardcore-Roots und beide haben für Chaos Path quasi ihre Urinstrumente Bass und Gitarre getauscht, um noch mal einen kompletten Neuanfang in Sachen Stil und Instrument zu wagen, was beim Songwriting extreme Vorteile und blindes Verständnis bei Komposition und Abstimmung mit sich bringt. Ancient Weapon als Sänger, den ich ca. 25 Jahre kenne, war dann die Kirsche auf dem Chaos Kuchen. Seine Black Metal-Roots bei Ancient Wargod sind deutlich, er lebt, spuckt und geifert den wahren Spirit des Black und Heavy Metal. Hat sofort gepasst. Uns vereint die Sehnsucht nach einer Melodie, die immer bleibt, die Freude an musikalischer Urgewalt und Chaos, das grenzenlose Mischen aller Elemente aus Heavy, Black, Death und Thrash Metal zu einer schwarzen Chaos Suppe, die stets neue Überraschungen und Schlenker beinhaltet.

H666: War für euch von vornherein klar, wohin eure musikalische Reise gehen soll, oder ergab sich das erst im Prozess der ersten Schritte des gemeinsamen Musizierens?
VR: Black Metal plus x stand als Ausgangspunkt fix. God of Carnage und ich sind alte Schwedentod- und norwegische Black Metal-Fanatiker, wir kommen um Skandinavien auf keinen Fall drum herum. Letztlich waren es auch Entombed live in Kassel, die Richy nach einiger Abstinenz wieder zum Instrument greifen ließen und extrem angefixt haben. Gorgoroth muss man mal als Speerspitze in Sachen Attitude ("und Livepräsenz" Anmerkung AW) nennen. Mittlerweile haben sich Referenzen eingebürgert, die mal an Mayhem, mal an Primordial, aber auch an Kreator erinnern, das steckt so ganz tief in uns drin. Ohne Bathory und Iron Maiden wäre aber jegliche Aufzählung falsch und unvollständig. Den heidnisch-epischen Touch hat da sicherlich der Chaosblaster mitgebracht. Ich kann behaupten, dass ich noch niemals mit so vielen Musikern gearbeitet habe, die derart viele Lieblingsbands mit mir teilen. Die Richtung, in die sich Songs, Melodien und Fragmente entwickeln ist unbewusst immer schon vorher quasi vorbestimmt.

H666: Wie entstehen eure Songs? Entwickelt ihr eure Ideen im Proberaum oder habt ihr einen Mastermind, der schon mit fast fertigen Songs ankommt, und ihr tüftelt noch etwas daran herum? Was reizt euch an der Mischung aus Melodic Death, Black und Thrash Metal? Birgt diese Mischung eine besondere Möglichkeit, sich künstlerisch auszuleben, oder ist es z.B. die Energie, die diese Musik ausstrahlt und die euch anspricht?
VR: Grundsätzlich bringt God of Carnage eher fertig komponierte Stücke mit, die weitgehend Struktur und Melodie behalten, aber noch über den Chaos Kamm gerade gezogen und modifiziert werden. Ich hingegen liebe es, wenn ich Chaos verursache: Ich bringe eine Hook-Melodie und drei, vier Riffs mit, die spirituell für mich zusammengehören (dafür kämpfe ich in der Regel vehement), dann lasse ich die Jungs alles ausschlachten, vernichten, verschieben und aufbohren und nach viel Kraft und heißer Diskussion entstehen dann mit viel Schweiß „meine“ Songs für Chaos Path. Sie kommen also aus zwei Richtungen. Wer uns persönlich kennt, erkennt auch, was von wem kommt.
Der Chaosblaster ist das Dynamik-Tier, er braucht Stimmung, Gefühl, Aufbau und gibt den Songs einen sinnlichen Rahmen. Unser Sangesmeister vernetzt die Strukturen so, dass Texte singbar werden und Abfolgen der Dynamik von Text und Musik dienlich sind. Richy ist das "anstrengende Nadelöhr". Er zerlegt Note um Note immer wieder, und reißt den Kontrollprozess im Sinne der Qualitätskontrolle bis zur letzten Sekunde voller Schmerz und Leidenschaft immer wieder an sich, bis das Ergebnis steht. Was nicht von allen Fünf abgenickt wird, fliegt raus. Wir haben zu meinem großen Schmerz und Kummer noch genügend Ideen und Songs auf der Wartebank. Wenn die nicht unserem Anspruch genügen 100% perfekt zu sein, wird die Liste der geparkten Songs immer länger und länger. Das ist aber das, was echte Leidenschaft ausmacht, sie kommt vom Leid! Das Ausleben ist manchmal Momentaufnahme. In der Regel haben wir komischerweise immer zur gleichen Zeit Lust auf mal mehr Melodie, mal auf mehr Geballer, mal auf die reine Brutalität oder Provokation.

H666: Ihr selbst bezeichnet ja eure Musik als Kaotysk Metal. Das Ganze klingt nicht nur skandinavisch, sondern ist es durch den Einbau des schwedischen Wortes "tysk" für "deutsch" ja auch. Soll den Leuten und potentiellen Käufern dadurch schon eine bestimmte musikalische Richtung suggeriert werden oder soll die Bezeichnung eure Affinität zum skandinavischen Metal, die in eurer Musik ja nicht zu überhören ist, herausstellen?
VR: Unser Wortspiel hast du nun öffentlich zerlegt und zu 100% zutreffend charakterisiert. Was soll ich da noch anfügen? Wir lieben den skandinavischen Sound, aber wir sind uns auch sicher, dass wir die unkonventionelle, kreative, deutsche „Kelle“ im Sound haben, so dass Kaotysk einfach naheliegend und wortwitztechnisch passend ist. Um Rückfragen vorzubeugen: Nein, Nationalismus im Sinne von „Deutscher Metal“ ist uns absolut fern. Mit dem rechten Rand wollen wir definitiv absolut gar nichts zu tun haben.

H666: Der Bandname, eure Pseudonyme und eure Texte wirken sehr düster, apokalyptisch und haben meiner Meinung nach einen schwarzmetallischen Touch. Ein Text wie "Kriig" wirkt aber auch - vor allem in Kombination mit dem Artwork, das eine untergegangene Zivilisation zeigt - recht aktuell und wie ein Spiegelbild der Welt. Überinterpretiere ich das oder versucht ihr mit eurem Konzept auch einen Spagat zwischen Fiktion und Realität zu schlagen?
VR: Bürgerliche Namen, Nationen, Glaube – all das spielt zur Apokalypse keine Rolle mehr. Wir brauchen für Chaos Path die bürgerlichen Namen nicht, unser weltlich benanntes Fleisch ist für diesen Prozess einfach unwichtig. Auf der Bühne nehmen wir unsere schwarzen Rollen ein, wir verinnerlichen sie und tauchen in die Apokalypse ein. Auf der Bühne bin ich nur noch Viides Ratsastaja, schizophren und zerrissen, gefährlich und doch verwurzelt. Wir nähern uns der Stunde 0 und steuern unaufhaltsam der völligen Zerstörung entgegen. Unser Chaos Priester Ancient Weapon zelebriert mit unseren Fans dazu den passenden Abgesang, er reflektiert mal jähzornig, er kämpft, fabuliert schwarze Visionen und zeigt den Puls, der noch in uns wohnt, die Urkraft des Überlebens und des Sterbens, der Wiederauferstehung und Neuordnung im Chaos. Die Richtung der kommenden Scheiben von Chaos Path ist damit gesetzt. Der angesprochene Spagat ist gar nicht so groß, verschwimmen nicht auch jetzt schon Realität und Fiktion in einem Ausmaß, wie es noch vor kurzem kaum denkbar war? Orwells 1984 hat da einiges vorweggenommen. Fiktion wird zur Realität. Durch diese Schlacht müssen wir durch.

H666: Warum ist euer erstes musikalisches Lebenszeichen ein reiner Vinylrelease? Da ja nicht alle potentiellen HörerInnen einen Plattenspieler besitzen, ist das für einen Newcomer doch sehr risikoreich, selbst wenn ihr eure Musik auch digital präsentiert. Was hat euch dazu bewegt?
VR: Es war unser dringender Wille nach Kompromisslosigkeit und Ehrlichkeit zu uns selbst. Wer die Platte haben will, kauft sie als Vinyl, wo sie mit Cover, Texten und Beiwerk ihre ganze Macht entfalten kann. Wer den auditiven Vorgeschmack haben will, der höre sich im Netz auf allen denkbaren Plattformen mittels Stream oder Download warm, diese digitale Art von Verkauf ist mir persönlich/privat völlig egal. Doch natürlich ist klar, daß je mehr Leute sich dadurch für Chaos Path interessieren, es umso besser ist für uns.
CDs sind ein falscher Kompromiss. Die Musik gibt es in digitaler Form im Netz, warum dann auch noch digitaler Tonträger? Die wahre Macht des analogen Vinyls ist eh unschlagbar und unerreicht. Kompromisse haben wir mit unseren alten Bands genug gemacht. Wir gehen aus finanzieller Sicht volles Risiko. Momentan scheint das wirklich aufzugehen und wir gehen diesen Weg genauso weiter. Die Fans wissen genau das zu schätzen und sie erkennen unsere Passion zu 100% an. Schwarzer Sound muss auf schwarze Scheibe ("bzw. auch auf farbige" Anmerkung AW), basta.

H666: Ihr habt insgesamt gesehen einiges in euer erstes Lebenszeichen investiert. Das eben angesprochene Vinyl gibt es in mehreren Farben und dazu farblich passende Shirts. Der LP sind dann noch ein Sticker, ein großes Textblatt und ein sehr cooles Heft mit geilen Photos und Infos beigelegt. Dazu gibt es eine stimmige und optisch ansprechende Bühnenshow mit allerlei Deko. Dient dies alles, um aus dem riesigen Berg an Bands hervorzustechen und den Leuten was zu bieten, oder war es euch von Anfang wichtig, euch auch im repräsentativen Bereich die eigenen künstlerischen Bedürfnisse auszuleben?
VR: Ich habe keine Lust, die Reise wie vor über 25 Jahren noch mal im Sumpf hunderter Jugendzentren zu beginnen und alle Fehler zu wiederholen. Wir haben in unseren alten Bands in all den Jahren wahnsinnig viel gelernt, wir sprechen jetzt genau die Sprache der Fans und geben genau das, was uns von anderen Bands sofort unterscheidet. Jeder sieht, spürt und hört sofort, dass wir Chaos Path sind und das sehr ernst nehmen und dass wir alles auf eine Karte setzen. Das komplette Gesamtpaket muss von Beginn an stimmen und erkannt werden können, nur dann kommen wir vorwärts. Wir haben ein klares, erkennbar scharfes Profil und wir gehen Chaos Path nicht wie einen kleinen Freizeitspaß an. Wir geben uns der Band und dem Chaos mit Leib und Leben hin. Das sieht man. Das hört man. Das fühlt man. Alles oder Nichts.

H666: Aufgenommen wurde in den mir bisher unbekannten Farago´s Place Studios. Warum fiel die Wahl auf dieses Studio? Habt ihr bereits Erfahrung mit diesem? Gab es eigentlich eine bestimmte Vorstellung, wie der Sound auf "The Awakening" zu sein hat, oder entwickelte er sich erst beim Aufnehmen? Die Produktion ist echt klasse geworden und gibt den Songs ordentlich Power.
VR: Andor von „Farago´s Place“ nimmt seit etlichen Jahren andere Künstler auf und hat selbst einen sehr breiten Background sowie hinreichend Black Metal-Vergangenheit ("Andor/Farago war in den 90er Jahren Gitarrist von Ancient Wargod, meiner alten Band" Anmerkung AW). Soweit ich weiß hat er in der Vergangenheit ("und auch aktuell" Anmerkung AW) sehr viel mit Dennis von den Guano Apes gemacht und diverse Studiomucker-Jobs hinter sich (an der Gitarre ebenso wie an den Reglern), er spielt jetzt auch bei der Göttinger Band Übergang. Er hatte vor uns auch keinen „passenden“ Namen für sein Studio ("den haben wir ihm verpasst" Anmerkung AW) und ebenso keine Passion für weltlich-bürgerliche Namen. Ihm ist sowas völlig egal und momentan ist er auch schon wieder für zig Monate ausgebucht… Ihm geht es da quasi so wie uns mit den Pseudonymen.
Er hat uns im Proberaum besucht und später gewissermaßen auch gelenkt und produziert. Wir haben zum Beispiel absichtlich keine Click Tracks benutzt, sondern der Dynamik und dem echten instrumentalen Zusammenspiel wahnsinnig viel Raum gelassen, obgleich das extrem viel schwerer aufzunehmen ist, als wenn sich alle an ein vorgegebenes Signal halten oder gar nur auf Klick ihre Sachen einspielen. Leichte Schwankungen machen den Sound lebhaft, old schoolig und dynamisch, das hört man sehr gut. Echter Drumsound ist und bleibt einfach authentisch. Wir wollten Druck aber auch genug Rohheit. Hier und da sind kleine Verspieler, die man wahrscheinlich als Musiker nur selbst hört, aber wenn ein Take Fluss und Bumms hat, sollte man nicht zu lange daran herumdoktern. Bei "Open the Gates" habe ich z.B. das allermeiste als echte First Takes eingespielt und direkt genommen, weil das Feeling einfach gepasst hat. Es gibt abseits des Hörens eine gewaltige subjektive Komponente, die man im Bauch fühlt, anstatt sie zu hören. Das ist beim Hören von analogen Schallplatten derselbe Feeling-Effekt. ("Wir sind rundum zufrieden mit dem was Andor gemacht hat und werden unsere zweite Mini-LP auch in seine Hände geben." Anmerkung AW)

H666: Wie wichtig ist euch DIY? Ihr zieht dieses Motto ja konsequent durch. Aus ernsthafter Überzeugung oder weil es für einen Newcomer gar nicht anders geht? Würdet ihr die Zügel aus der Hand geben, wenn euch die Möglichkeit durch z.B. eine Promotionfirma oder ein Label gegeben wäre?
VR: Man kann sich gar nicht „vornehmen“ DIY zu sein. Unser Arbeits- und Bandethos besteht und besticht durch DIY und jahrzehntelang gelebte DIY-Ethik. Natürlich würden wir bereit sein, andere an unseren Zügeln mit festzuhalten. Vorschriften kann man uns keine machen, bevormunden kann man uns auch nicht. Aber natürlich haben wir Bock, die Sache mit Chaos Path zu skalieren und aufzubohren und zu schauen, wohin uns unser Wille und unsere Kompromisslosigkeit noch führen können. Angebote sind also ausdrücklich willkommen und sehr erwünscht. Der Pfad muss weiter beschritten werden. Im Kern sind wir unverrückbar. Der Wille ist manifestiert. Weltliches Schaffen und Tun der Firmen könnten unseren Wurzeln nichts anhaben.

H666: Ihr kommt ja aus Kassel. Wie ist die dortige Szene? Gibt es viele Bands in der Umgebung und wie ist die gegenseitige Unterstützung? Mit der Moshpit Crew Cassel habt ihr es, was Konzerte angeht, recht gut getroffen. Mit dem coolen Underground Remains Open Air, Moshroom Events und Music Parasites sieht es einmal konzerttechnisch und mit Atomwinter und Collapse Instinct bandtechnisch im benachbarten Göttingen auch top aus. Wie ist der Zusammenhalt? Unterstützt ihr euch gegenseitig?
VR und AW: Anfang bis Mitte der Neunziger hatten wir in Kassel schon mächtig Leben in der Bude und viele Undergroundkonzerte. Hin zur Jahrtausendwende schlossen Venues, Leute wanderten ab und die Sehnsucht nach Konzerten wurde immer größer. In dieser Lücke konnten sich die Moshpit Crew einerseits und die Jungs von den Masters of Cassel andererseits breit machen, so dass jetzt schon seit über 10 Jahren wieder enorm viel los ist und Konzerte ohne Ende anstehen, die gut besucht und angenommen werden. Die Leute nehmen weite Entfernungen nach Kassel offenbar wieder gerne auf sich. Da haben die beiden Veranstalter im Metalbereich echt vieles wieder angeschoben und aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Das muss hier mal gewürdigt werden.
Bandtechnisch läuft hier in Kassel sehr viel, wir haben eine sehr gesunde und vielfältige Szene. Von klassischem Heavy Metal (z.B. Reaper, Wagnis, Pandemic, Burning Hellmet) über Thrash (z.B. Mortal Terror, Mesmerized) und Death Metal (z.B. Burden of Grief, My Cold Embrace, Hellforce) bis hin zu Black Metal (z.B. Timor et Tremor) wird hier alles geboten, was der Metalhead hören mag. Untereinander kennen wir uns hier in der Szene einfach alle, wir besuchen uns, helfen uns und kaufen auch gegenseitig unseren Kram. Unity! Und das gilt natürlich auch über die Stadtgrenzen hinweg. Die Göttinger z.B. sprechen sich auch mit uns ab, wir schieben Bands hin und her, wir nehmen Rücksicht auf Dates und Bookings, das läuft wirklich sehr gut und zum Wohle der Szene und des Ganzen, egal ob wir von Punk, Hardcore oder Metal sprechen. Und natürlich sind wir in gutem Kontakt zu Göttingens finest Collapse Instinct und Atomwinter.

H666: Wie sieht denn eure weitere Zukunftsplanung aus? Seid ihr schon fleißig am Schreiben neuer Songs? Werdet ihr euren musikalischen Weg weiter verfolgen oder ist mit Neuerungen zu rechnen? Ich frage deshalb, weil ihr in Göttingen als Opener für Deny The Urge einen sehr crustigen Song zum Besten gegeben habt, der meiner Meinung nach echt klasse war. Ist mit mehr Einflüssen aus dieser Richtung zu rechnen? Mich persönlich spricht ja diese Black-/Crust-Mischung immer sehr an.
VR: Die nächste Mini-LP ist kompositorisch fertig, die Texte bedürfen noch der Finalisierung, um das gesamte Konzept bis auf das I-Tüpfelchen zu optimieren. Der nächste Studiogang ist anvisiert und momentan läuft noch die Promo-Maschinerie auf Hochtouren. Wir checken gerade weitere Bookings für 2019 und freuen uns über jedes ehrliche Angebot. Der Crust-Einschlag kommt aus meiner DNA. Aber sowas muss immer passen. Das ist wie mit Schokopudding. Ich liebe Crust und Schokopudding, aber wenn es gerade Döner sein muss, dann schmeckt Schokolade scheiße dazu.
Jeder Song bekommt, was er verdient. So manche Melodie wird noch etwas epischer ausfallen als erwartet, an einigen Stellen nehmen wir auch mehr Fahrtwind auf als vielleicht erwartet wird, der schwarze Thrash/Black/Death Metal-Sturm wird euch sicherlich 2019 erreichen und wenn dir vor allem die B Seite von „The Awakening“ gefällt, kannst du ganz beruhigt abwarten. Sagen wir so: Mehr Black Metal ist sicherlich dabei. Crust nur wenn er passt.

H666: So, das war es von meiner Seite aus. Vielen Dank für das Beantworten meiner Fragen, ich hoffe es hat euch etwas Spaß gemacht. Noch ein paar letzte Worte an unsere Leser?
VR: Herzlichen Dank, dass ihr euch in schnelllebigen Klickzeiten tatsächlich die Zeit genommen habt, dieses Interview bis zu Ende zu lesen. So etwas zu beantworten macht Spaß, denn das Reflektieren der eigenen Arbeit erfüllt einen mit Freude und fokussiert mich auf die nächsten Schritte und Aufgaben. Danke für die tollen und überlegten Fragen. Let the Chaos rise!

H666: Herzlichen Dank, auch von meiner Seite aus, für die wirklich ausführlichen Antworten. Da hat das Lesen echt Spaß gemacht. Ich hoffe, euch auch. Falls ihr Chaos Path noch nicht kennt, hoffe ich, dass ihr nach diesem Interview ordentlich Blut geleckt habt, euch ihre geile Musik mal anhört, euch ihre Mini-LP besorgt und die Jungs dadurch unterstützt.
// Rudi

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