Review zu Spellbreaker - Manifest Destiny - 426 Hits
disc Band: Spellbreaker
Album: Manifest Destiny
Genre: Heavy Metal
Rls. Datum: 18.09.2010
Label: Delicious Bowels Agency
Laufzeit: 42:54
Wertung: 8.5 / 10.0
 
Dass musikalische Veränderungen in etwa so abstoßend und inakzeptabel sind wie Spitzenboni für Bankrottmanager ist eine weit verbreitete Meinung in der Metalszene. Allerdings wird oft vergessen, dass dies nur in 99,9% der Fälle eine allgemeingültige Regel ist. Einen Vertreter der 0,1% haben wir nun hier vorliegen: SPELLBREAKER, die vor kurzem ihr 5-jähriges Bandbestehen feierten, haben im Laufe der Zeit die Wandlung von einer 5-köpfigen, eher mäßigen Melodic-Death-Metal-Band zu einem hochinteressanten Power Trio vollzogen, das sich auf seinem zweiten Album des Korsetts des melodischen Death Metals entledigt hat. Zwar gibt es immer noch Songs und Passagen, die auf Death Metal beruhen, allerdings findet sich inzwischen vermehrt Heavy- und Thrash Metal im Sound der Bielefelder. Hinzu kommt noch der gewagte, aber auch gelungene Schritt, sich des öfteren auf ruhige und balladeske Töne zu verlassen.
So ist bereits der sanfte Beginn des Openers „The New World“ Gänsehaut pur und zeigt überdeutlich welch großer Gewinn der aus New Jersey stammende Sänger/Bassist Lance für diese Band ist. Man spürte zwar schon auf dem Vorgänger „Rising From The Dark“ den Schub, den der Amerikaner seinen Kollegen verpasst hatte, doch erst auf „Manifest Destiny“ fällt auf, wie gut der Mann wirklich ist. Seine Soul-artige Gesangsstimme geht tief unter die Haut, während seine aggressive Seite weniger an den typischen Grunzgesang als vielmehr an eine erfrischende Mischung aus Lemmy und einem angepissten Bär erinnert. Dazu kommt noch sein prägnantes Bassspiel und das von ihm ausgehende zweigeteilte Konzept des Albums über 5 bedeutsame Daten in der Geschichte der Ureinwohner Amerikas sowie über eine Wikinger/Fantasy Trilogie.
Freilich darf man den Beitrag der übrigen Bandmitglieder nicht unter den Tisch fallen lassen. So ist das Spiel von Gitarrist Tobi äußerst facettenreich: Er schafft es einerseits mit einem warmen Riff wie im bereits erwähnten Opener zu hypnotisieren, um kurz darauf im Song „Wilderness Of War“ einen halben Wald niederzusägen. Auch Drummer Börgy, der als einziger von der alten Besetzung noch an Bord ist, hat seine Fähigkeiten weiter ausgebaut und spielt weitaus treibender und akzentuierter als in der Vergangenheit.
Wie gut insgesamt das Zusammenspiel der Musiker ist, lässt sich an der Neubearbeitung ihres alten Demosongs „Dein Herz“ erkennen. Die neue Fassung „Warsong Of The Badlands“ hat zwar das gleiche instrumentale Grundgerüst, rockt in dieser tighten Fassung aber gleich 3-mal so gut.
Tja, alles knorke also? Nun ja, nicht so ganz. Da wäre erst einmal wieder das leidige Thema Produktion: Zu leise Gitarren und ein generell zu schwachbrüstiger Sound vermindern zwar nicht die eigentliche Klasse der Songs, doch gerade ein solches Breitwandepos wie „The Long Walk“ mit einem Gastbeitrag von Bielefelds wohl besten Sänger Markus Brand (EDDIE'S REVENGE) schreit förmlich nach einem voluminöseren Sound.
Ferner muss man auch eingestehen, dass die abschließende Trilogie musikalisch den ersten 5 Songs nicht ganz das Wasser reichen kann. Das heißt letztendlich aber nichts anderes, als dass diese Songs „nur“ sehr gut sind.

// Wile E. Coyote

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