Review zu Entrails - Tales From The Morgue - 325 Hits
disc Band: Entrails
Album: Tales From The Morgue
Genre: Death Metal
Rls. Datum: 10.06.2010
Label: F.D.A. Rekotz
Laufzeit: 44:30
Wertung: 9.0 / 10.0
 
Wenn Bands ihren eigenen Stil beschreiben wollen wird es ja oft noch schneller völlig abwegig und beknackt als wenn es eine Plattenfirma oder dafür angeheuerte Promofirma tut. Doch im Falle von ENTRAILS bedaure ich es ja dann doch ein wenig, den Lesern eines deutschsprachigen Online-Magazins nicht einfach den beiliegenden Aufkleber aufs Gesicht drücken zu können.

Auf dem stehen nämlich, neben dem Bandnamen, die schönen und simplen Worte "Svensk Jävla Dödsmetall". Und die treffen es so gut, dass weiteres Schwadronieren meinerseits hier eigentlich überflüssig ist. ENTRAILS spielen nämlich tatsächlich "Schwedisches verdammtes Todesmetall" das es nur so kracht. "Tales From The Morgue" beginnt stilecht mit einem schäbigen Horrorintro – ihr wisst schon, pimpelnde Keyboardmelodie, dann synthetische Streicher, dazu Schmerzensschreie, Menschenmatschgeräusche und irres Gelächter – und geht dann ohne viel Federlesens in wuchtigen, groovenden und morbiden Death Metal über. Das es sich bei ENTRAILS dabei um eine ursprünglich um 1991 herum gegründete und nunmehr neu erstarkte Band handelt, passt dabei sehr gut ins Bild. Tatsächlich kann man "Tales Of The Morgue" ohne Bauchschmerzen sofort zwischen die Größen der schwedischen Szene Ende der 80er/Anfang der 90er einordnen. Zwischen ENTOMBED, DISMEMBER, VOMITORY et cetera fühlen sich ENTRAILS sehr geborgen. Das Tolle daran: sie sind keineswegs die musikalisch minderbegabten Trittbrettfahrer, von denen heutzutage ebenfalls viele ihre Jungend(band)sünden wieder aufleben lassen. ENTRAILS wissen absolut was sie tun, und obwohl genrebedingt natürlich simple Riffs, sattes Growlen und erst recht Doublebass und Uffta-Uffta eine große Rolle spielen, darf hier nicht jeder Dorfkneipenmusikant die Worte "Kann ich auch" in den Mund nehmen. Denn obwohl sämtliche Stücke zwischen 15 und 19 Jahren alt sind, findet sich in Krachern wie "Blood Red", "Breath Of Blood" und "Euthanasia" kein Gramm Fett zuviel, nichts unnötiges oder abgeschmacktes. Auf "Tales From The Morgue" sitzt jedes Riff und jeder Drumbeat. Was den Haufen Eingeweide dann noch bunt verziert und hier nicht unerwähnt bleiben sollte, sind die von Sologitarrist Jimmy immer wieder über die Riffwalzen drapierten, bisweilen beinahe epischen und für mein Empfinden jedenfalls wunderschönen Melodien.

Das ENTRAILS mit ihrer Scheibe erst anno 2010 um die Ecke biegen nimmt ihnen vermutlich die Chance, im Death Metal richtig groß zu werden – eine Chance, die sie mit diesen Songs vor 20 Jahren mit Sicherheit gehabt hätten. Wer weiß – vielleicht nehmen sie die Metalwelt ja auf der Tour mit GOREGAST in diesem Herbst im Sturm. Gerecht wäre es allemal!

// untergangsmelder

 ec
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