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Interview mit Slaughterday
Band: Slaughterday
Homepage: http://www.facebook.com/slaughterdayofficial
Datum: 01.01.2014
 
band_logo

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Hell-o from the gutter! Nachdem ich die Death Metal-Ungeheuer Slaughterday und ihren Opus Nightmare Vortex schon in meinem Review wie Sau abgefeiert habe, gibt es nun den Nachschlag in Form eines Interviews :). Rede und Antwort auf meine Fragen stand hierfür Jens Finger. Seines Zeichens Gitarrist und Bassist von Slauuughterday.

H666: Moin moin gen Ostfriesland. Erstmal Gratulation zu Nightmare Vortex. Das Demo war schon der Hammer, aber eure Scheibe zwingt mich zum Niederknien vor meiner Anlage. Ich habe es ja leider bisher noch nicht geschafft mir mal die aktuelle Autopsy zu besorgen, aber ich denke, dass ihr mit Nightmare Vortex Autopsy doch arg ins Schwitzen bringt. Kennt Chris Reifert euch?

Jens: Zunächst einmal vielen Dank für die netten Worte! Die neue Autopsy solltest du dir auf jeden Fall zulegen. Ich glaube kaum, dass Chris Reifert durch unsere Scheibe ins Schwitzen kommt. Der Mann ist einfach eine Legende. Ob er schon mal was von uns gehört hat, kann ich nicht sagen, vermutlich eher nicht. Allerdings haben Bernd und ich ihn schon mal getroffen und prompt Fotos mit ihm gemacht. Wir sind halt Riesen-Fans!

H666: Gratulation auch zum absolut umwerfenden Cover. Die morbide Atmosphäre passt, genau wie beim Democover von Thomas Westphal (Necromaniac Zine), perfekt zur Musik. Ich habe von Marc Cooper bisher bewusst noch nichts wahrgenommen. Seid ihr auf ihn zugegangen und hat er bereits schon für andere Bands gearbeitet?

Jens: Ja, er hatte bereits Cover für andere Bands entworfen. Die Entscheidung, dieses Cover zu nehmen, fiel relativ spontan. Eigentlich wollten wir zunächst mit einem anderen Künstler zusammenarbeiten, der erste Entwurf passte allerdings überhaupt nicht in unser Konzept und Rico machte uns terminlich schon Druck, so dass wir uns kurzfristig nach einem anderen Künstler, bzw. Cover umsehen mussten. Nach einiger Recherche bin ich dann auf Marc und dieses Cover gestoßen. Wir haben uns dann sehr schnell dafür entschieden und sind rückblickend mehr als froh darüber! Es passt zum Titel und zur Musik.

H666: Ihr habt ja vorher bei den allseits bekannten Obscenity, bzw. bei den mir leider nur aus dem Necromaniac bekannten BK49 gespielt. Wie kam es zur Gründung von Slaughterday? Habt ihr die zuvor genannten Bands dafür verlassen?

Jens: Nein, BK49 ist schon seit vielen Jahren Geschichte und bei Obscenity war ich auch bereits ausgestiegen, ohne zu wissen, ob ich überhaupt weiter Musik machen wollte.
Bernd und ich sind schon seit Jahren befreundet, haben uns über Marc-Andree (ehem. Obscenity Drummer) kennengelernt und wohnen seit geraumer Zeit nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass man mal was zusammen macht. Dass dies gleich einen Deal bei F.D.A. einbringt, hatten wir auch nicht erwartet.

H666: Wie schreibt ihr eure Songs? Abgesehen von Auftritten agiert ihr ja zu zweit. Schreibt jeder von euch für sich zuhause oder entstehen eure Songs beim Jammen im Proberaum?

Jens: Sowohl als auch. Meistens schreibe ich die Riffs zu Hause und daraus basteln wir gemeinsam einen Song zurecht. Wir jammen aber auch sehr viel. Uns ist wichtig, dass die Songs aus anständigen Riffs bestehen und Refrains haben, die einen Wiedererkennungswert haben. Die Griffbrettakrobatik und das „Boah, ist der Drummer schnell“-Getue ist nicht so unser Ding. Viele Leute unterschätzen, wie viel schwieriger es ist, einfache, gut klingende Songs zu schreiben als Riffs mit 1000 Noten.

H666: Euer Demo kam ja auch bereits bei F.D.A.-Rekotz heraus. Wie kamt ihr in Kontakt? Kanntet ihr euch schon vorher und wie läuft die Zusammenarbeit?

Jens: Ich kannte Rico und seine Firma lediglich als Besteller. Offensichtlich habe ich wohl so oft bei ihm bestellt, dass er sich meinen Namen wohl gemerkt hat (haha!). Nachdem wir eine Proberaumaufnahme eines Songs auf unsere Bandcamp Seite gestellt und dies im RH-Forum gepostet hatten, meldete sich Rico bei mir und wollte mehr hören. Ein zweiter Song folgte und so bot er uns an, mit uns zusammenarbeiten zu wollen. Wir sind super zufrieden mit F.D.A. und sind wahnsinnig froh, dass wir diese Möglichkeit haben.

H666: Eure Produktion ist ja ein Faustschlag ins Gesicht des ganzen Plastikmists und erinnert mich an die geile Atmosphäre der Nihilist-Demos und Autopsys Mental Funeral. Göttlich! Empfindet ihr moderne Produktionen als steril und seelenlos oder warum setzt ihr bewusst auf einen alten, rottigen und rohen Sound?

Jens: Das ist nicht so einfach zu beantworten. Wir wollten bewusst nicht nach Billigproduktion klingen, nur um zwanghaft Old School zu sein. Das ist uns durch die Wahl des Studios allein schon ganz gut gelungen. Jörg hat da wirklich einen Spitzenjob gemacht. Wir haben auf viele Dinge, die bei einer modernen Produktion heute normal sind, verzichtet. Die Drums sollten so aufgenommen werden, wie sie klingen, ohne Trigger oder Samples und wir haben auch kein Clicktrack benutzt. Die Gitarren sind auch lediglich über einen Marshall JCM 800 eingespielt ohne Re-Amping oder Ähnlichem. Man muss halt eine Band immer so aufnehmen, wie sie klingt. Vielleicht ist das der entscheidende Punkt. Man muss aber ehrlich sein: Wer weiß, wie NIHILIST oder die MENTAL FUNERAL heute klingen würden, wenn die Jungs in einem Studio von heute aufnehmen würden und das Alter von damals hätten?! Damals waren die Produktionen nun mal so.

H666: Was ist für euch Death Metal? Ich wurde auf der Arbeit mal gefragt, was das denn für Musik ist und ich fand es echt schwer, die Gefühle, diesen Wahnsinn, der beim Hören in mir aufkommt, zu beschreiben. Es ist halt einfach nur Aaaaaaarrrrgh!!!!!!

Jens: Dieses Phänomen kenne ich nur zu gut. Menschen, die diese Musik nicht hören, können das oft nicht verstehen, was daran faszinierend ist. Genau das ist doch das Besondere am Metal. Es ist eben keine Musik für die breite Masse. Der Satz „Die Musik ist ja in Ordnung, aber der Gesang...!“ ist dabei Standard. Ich habe es aufgegeben nach Erklärungen zu suchen. Ich weiß nicht, wie der Stand der Forschung ist, warum man welche Musik bevorzugt. In den meisten Fällen beschränken sich die Erklärungen auf das Image oder die Texte, aber das unterstellt, dass es den Fans dieser Musikrichtung nur um Äußerlichkeiten ginge. Oft habe ich versucht es mit Horrorfilmen zu vergleichen, bei denen die Menschen ja auch Geld bezahlen, um sich erschrecken zu lassen, aber das trifft es auch nicht richtig.

H666: Woher eure Faszination für H.P. Lovecraft bzw. die Ancient Ones? Ich finde ja, dass seine Geschichten perfekt zum Death Metal passen, aber ihr hättet euch ja auch für diese Musik gerne genutzten Themen wie Splatter, Satanismus oder auch Politik zuwenden können.

Jens: Lovecrafts Kurzgeschichten sind ein endloser Quell der Inspiration. Der Vorteil ist, dass man dies nutzen kann, ohne sich in ein für uns schwieriges Fahrwasser zu begeben. Splatter-Texte hat es von anderen Bands schon zu tausenden gegeben und irgendwie passt es auch nicht zu unserer Lebenseinstellung, darüber zu schreiben, auf welche Art ein Mensch gequält oder getötet wird. Auch Satan ist uns völlig schnurz. Politik interessiert uns natürlich schon sehr, aber es ist schwierig, Texte zu verfassen, mit denen wir beide uns identifizieren können und die nicht zu plakativ sind. Politik ist aber zu vielschichtig um es in einem Song auf wenige Textzeilen herunterzubrechen.

H666: Leider konnte ich euch bisher noch nicht live erleben. Die Cryptic Brood-Crew war ja sehr vom Gig mit euch begeistert (Ear Terror Festival). Was habe ich mir vorzustellen? Das totale Massaker, dass einem das Fleisch von den Knochen zieht? Ich persönlich finde ja, dass Death Metal in kleinen Läden um einiges geiler rüberkommt, als bei einer Großveranstaltung.

Jens: Es freut uns sehr, dass die Cryptic Brood Jungs positiv von uns gesprochen haben und ich kann dieses Kompliment gerne an sie zurückgeben. Der Steffen war erst vor wenigen Tagen bei mir und hat mir die Videoaufnahmen von dem Emden-Gig gegeben. Vermutlich wird davon etwas gepostet werden, dann kannst du dir selbst ein Bild machen. Eine Show mit Kunstblut, Verkleidungen und anderen Gimmicks gibt es nicht. Einfach nur ein paar Typen, die einen Riesenspaß haben, Musik zu machen. Das ist in kleineren Läden tatsächlich geiler als auf Großveranstaltungen. Wobei ich auch nichts dagegen hätte, vor 100.000 Leuten zu spielen. :)

H666: Wie erklärt ihr euch die immense und auch grandiose Flut an aktuellen Old School Death Metal aus aller Welt? Das ist echt der Hammer was dort abgeht. Ich finde es auch extrem cool, dass so viele geile Bands aus Deutschland kommen. Ich meine wir hatten ja schon früher einige Killeracts vorzuweisen, aber im Moment scheint hier echt die Hölle los zu sein.

Jens: Ich vermute, dass die Leute einfach die Schnauze voll haben von diesen durchgestylten Metal- und Deathcore Alben. Viele junge Leute entdecken die Musik der ersten Death Metal Welle für sich und lassen sich davon inspirieren. Das freut uns natürlich sehr. Da wir ja schon einen Tag älter sind, wissen wir noch, wie Scheiße die Zeit ab Mitte der 90er war! Wer weiß, wie lange diese Phase diesmal andauert. Ich hoffe allerdings, dass der Metal seinen Frieden mit sich selbst gemacht hat und diesmal nicht so ein Zusammenbruch erfolgt.

H666: Ich liebe ja Tapes und Vinyl. Wie wäre es mit einer 7“? Ist ja für Death Metal essentiell finde ich. Eine Split mit z.B. Cryptic Brood wäre echt der Kracher! Gibt es schon 7“-Pläne?

Jens: Nein. Wir haben noch einige Songs in der Hinterhand, die wir aufgenommen aber noch nicht veröffentlicht haben. Es gibt da einige Ideen, in welcher Form diese veröffentlicht werden sollen, aber da ist noch nichts spruchreif. Vielleicht kommt es auch zu einer 7“. Wir werden sehen.

H666: Ende der 90er haben meine Kumpels und ich hardrockende Buben, u.a. von Necrobiosis, aus der Region Leer kennen gelernt. Ich muss sagen, dass diese Kaputten im positiven Sinne total durch waren. Die Treffen waren echt brutal. Einen davon traf ich neulich mit seiner aktuellen Band Eastfrisian Terror wieder und es scheint sich absolut nichts geändert zu haben. Sind bei euch alle so?!? Thomas Westphal scheint ja z.B. auch einen sehr speziellen, aber famosen, Humor zu haben.

Jens: Da hast du aber auch die gaaaaanz speziellen Leute kennen gelernt! :) Diese Typen kennen wir natürlich auch und ich kann dir versichern: In Ostfriesland sind zwar nicht alle so, aber ein bisschen besonders ist es hier vermutlich schon. Vielleicht liegt es an der Seeluft oder am Fisch ...oder an der Inzucht!

H666: Wie sieht es denn in Ostfriesland so allgemein für härtere Musik aus? Ich als Harzer sitze ja zum Glück genau mittig der Konzertachse Kassel/Göttingen/Braunschweig/Wolfsburg.

Jens: Geht so! Konzerte von größeren Bands gibt es hier so gut wie nicht. Da muss man schon einige hundert Kilometer zurücklegen. Die Konzertachse Emden/Aurich/Leer ist da eher überschaubar. Der Michael Eden ist da ja einer der Aktiven, die mit viel Herzblut Konzerte veranstalten.

H666: Wisst ihr, dass es in Griechenland auch eine Band namens Slaughterday gibt (Jaja... Metal Archives)?

Jens: Ja, das haben wir auch durch Metal Archives erfahren. Als wir uns für den Namen entschieden haben, waren die Griechen im Internet noch nicht bekannt. Sie haben es aber offenbar vor uns geschafft, etwas zu veröffentlichen. Leider konnten wir da vor einer physischen Veröffentlichung keinen Eintrag machen. Ich finde das aber auch nicht so tragisch. Zum Glück haben wir uns nicht „Heretic“ oder so genannt. Davon gibt es ja wohl etwas mehr! Zur Not müssen wir uns noch ein „B.C.“ oder „Germany“ an den Namen ranhängen.

H666: Dieses Interview wird ja online veröffentlicht. Persönlich stehe ich aber mehr auf gedruckte Fanzines. Es gibt doch nichts Grandioseres als ein geiles Heft in der Hand zu haben und dabei geile Scheiben zu hören. Wie sieht es bei euch aus?

Jens: Sehe ich genauso! Ein Bier dabei in der Hand zu haben ist aber auch nicht schlecht. Wenn ich länger darüber nachdenke, fallen mir sicher auch noch andere Dinge ein, die man in der Hand halten könnte...

H666: So Jens, wir kommen nun zum Ende dieses Interviews. Erstmal vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast. Noch ein paar abschließende Worte from outer space and beyond?

Jens: Vielen Dank für die interessanten Fragen und deinen Support und wünschen weiterhin schöne Albträume!

H666: So Leutchen, da ich gerade hier mit nem Neujahskater sitze, schmeisse ich nur noch kurz ein, dass alle die Death Metal lieben und bisher Slaughterday noch nicht kennen, dieses seeeehr schnell ändern sollten :). Aaaaah... ich habe jetzt die aktuelle Autopsy, ein Meisterwerk, und ich denke immer noch, dass sie sich, bezogen auf Nightmare Vortex warm anziehen müssen :).
// Rudi

 ec
dertrion
02.01.14, 22:33
Das mit den Horrorfilmen versuche ich auch immer, aber die Leute wollen das wohl nicht verstehen... Schönes Interview!

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